1889 – 1959 – 70 Jahre Peugeot-Geschichte mit nur 3 Patriarchen

Die Firmengeschichte von Peugeot beginnt im Jahr 1810, die Familie ist deutlich weiter zurückzuverfolgen. Die Beschäftigung mit der Automobilproduktion beginnt jedoch „erst“ im Jahr 1889.

Im uns interessierenden Zeitraum bis zum Beginn der 1950er Jahre, als auch im Nutzfahrzeugbereich die letzten Vorkriegsbaureihen durch moderne Konstruktionen ersetzt wurden, wurden die Geschicke der Société des Automobiles Peugeot über rund 70 Jahre nur von drei Unternehmerpersönlichkeiten, die alle aus der Familie Peugeot stammen, bestimmt.

1889 – 1912 – Armand Peugeot (* 1849 – + 1915)

Armand Peugeot (* 1849 –  + 1915)

Der 1849 geboren Firmengründer beherrschte die Fa. rund 20 Jahre lang und legte die Grundsteine des Erfolgs durch die Zusammenarbeit mit Emilie Levassor und Gottlieb Daimler sowie einige Jahre später auch mit Ettore Bugatti. Sein einziger Sohn Raymond starb tragischerweise elfjährig im Jahr 1896, sodass er keinen leiblichen Erben für die Firma hatte. In der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts übertrug er daher aufgrund gesundheitlicher Probleme immer mehr Aufgaben an seine Großcousins Pierre, Robert und Jules. In diese Zeit fällt die Gründung der Société Anonyme des Automobiles et Cycles Peugeot, der Armand Peugeot nominell noch bis 1912 vorsteht. Er übergibt das Ruder an Robert Peugeot.

1910 – 1928 – Robert (I) Peugeot (* 1873 – + 1945)

Robert (I) Peugeot (* 1873 – + 1945)

Kurz nach Beginn seiner Präsidentschaft bricht der 1. Weltkrieg aus und die zivile Produktion leidet stark darunter, dass das Militär die Kapazitäten für kriegswichtige Güter bindet. Daher sendet er einen seiner Ingenieure, Alfred Giauque, in die USA, um zu sehen, wie die Automobilhersteller in Detroit arbeiten. Die Erkenntnisse von Giauque bilden noch während des Krieges die Grundlage für die Modernisierung der Peugeot-Werke. 

 Es war Robert Peugeot, dem es in der Zwischenkriegszeit gelang, Peugeot zu einem der führenden Industriekonzerne Frankreichs auszubauen. 1928 übergab er das Ruder an seinen ältesten Sohn Jean-Pierre III.  
  

Robert Peugeot (Mitte) kurz vor dem ersten Weltkriesg mit den Rennfahrern J. Goux (links) und R. Boillot (rechts). Im Hintergrund J.P. Peugeot.
Robert Peugeot (Mitte) kurz vor dem ersten Weltkriesg mit den Rennfahrern J. Goux (links) und R. Boillot (rechts). Im Hintergrund J.P. Peugeot.

1928 – 1959 – Jean Pierre (III) Peugeot (+ 1896 – + 1966)

Jean Pierre (III) Peugeot (+ 1896 - + 1966)


Die Übernahme der Firmenleitung stand unter keinem guten Stern – kaum hatte der neue Präsident die Arbeit begonnen, brach im Oktober 1929 die Weltwirtschaftskrise aus.

Jean Pierre Peugeot reagiert mit dem Beginn der echten Massenproduktion – unter seiner Leitung wurde mit der Produktion der Baureihe 01 begonnen. Der Kleinwagen 201 rettete den Konzern, so daß Mitte der 1930er Jahre mit der stromlinienförmigen 02-Serie der nächste große Erfolg lanciert werden konnte.

Jean Pierre Peugeot manövrierte die von der Organisation Todt okkupierte Firma mit großem Geschick und ohne sich der Kollaboration mit den Nazis schuldig zu machen durch die Wirren des 2. Weltkriegs.

Nach Kriegsende verantwortet er ab 1948 den Neustart mit dem überaus erfolgreichen Peugeot-Typ 203, von dem in 12 Jahre rund 685.000 Einheiten gebaut wurde. Auch die Einführung des ersten Milionensellers bei Peugeot – dem Typ 403 – im Jahr 1955 und die Entwicklung des Typs 404 fallen in seine Epoche.