Peugeot L 3

Der Schweizer Ingenieur Ernest Henry war für die Automobilhersteller Peugeot und Ballot tätig. Er wurde insbesondere durch seine Zugehörigkeit zur Gruppe der „Charlatane de Peugeot“ und den Bau von äußerst fortschrittlichen Rennmotoren bekannt. Seine Ideen und Designs werden heute als die Vorläufer moderner Motoren angesehen.

Ernest Henry - Vater der Peugeot GrandPrix-Rennwagen
Ernest Henry – Vater der Peugeot GrandPrix-Rennwagen

Henry arbeitete 1906 bei der Fa. Picker mit Bootsmotoren; im Anschluss studierte er angewandte Mechanik am Technicum in Genf. 1909 zog er nach Paris, wo er bei der Firma Motos Labor tätig war, bevor er 1911 zu Peugeot wechselte.

Eines der frühesten Projekte Henrys bei Peugeot bestand darin, Motoren für Grand Prix-Rennwagen zu entwerfen, die ihre Kraft nicht nur aus dem Hubraum nahmen. 1912 konnte der 7,6-Liter-Peugeot L 76 einen 15-Liter-Fiat (“Beast of Turn”) beim Großen Preis von Frankreich besiegen.

Der von Henry entworfene Peugeot-Motor verfügt über zwei Nockenwellen, die vier geneigte Ventile pro Zylinder betätigen. Seine Creationen sind die ersten Motoren, bei denen doppelte obenliegende Nockenwellen und 4 Ventile pro Zylinder zum Einsatz kamen. Diese leistungsstarken Motoren waren leicht und bauten niedrig, sodass der Luftwiderstand der Fahrzeuge sank. Durch den leichteren Motor konnten auch Fahrgestell und sonstige Fahrzeugteile deutlich filigraner konstruiert werden, was eine bessere Manövrierbarkeit und höhere Geschwindigkeiten ermöglichte. Der Motorenbau hatte somit einen erheblichen Einfluss auf die gesamte Konstruktion der Fahrzeuge.

Peugeot Typ L 3 Menier
Peugeot Typ L 3 Menier
Schnittbild Peugeot Typ L 3 Menier

Für die Saison 1913 hatte Peugeot ein 5,65 Liter Auto (Typ L 56) für den Grand Prix-Wettbewerb und einen 3 Liter-Wagen (L 3) für Voiturettenrennen gebaut, bei denen Hubraum und Gewicht begrenzt waren. Und wieder waren die Peugeot-Renner siegreich.

Ausschnitt "The Automobile" vom 26. September 1912

In Indianapolis trat das Peugeot-Werksteam mit dem L 56 an, während Jacques Menier aus der französischen Schokoladendynastie als Privatfahrer mit einem L 3 startete. Das Auto überraschte Presse und Zuschauer, als es – von Artur Duray pilotiert – den Indy-Stunden-Rekord von 99.85 km/h brach.