Peugeot Panzer – Prototyp im Jahr 1918

Der Renault Panzer FT-17 aus dem 1. Weltkrieg ist sicherlich vielen bekannt. Er war der erste Panzer überhaupt, der die “klassische” drehbare Turmkonfiguration verwendete, die wir bei praktisch allen heutigen Panzern sehen. Er war der Beginn einer langen Entwicklung dieser Kriegsmaschinen; jeder moderne Panzer heute verdankt seine Existenz diesem „Urvater“.

Renault war jedoch nicht das einzige französische Unternehmen, das im Ersten Weltkrieg Panzerungen entwickelte. Parallel zur Entwicklung des FT-17 unternahmen auch andere Hersteller Versuche dazu.

Insbesondere Peugeot trat mit einem eigenen Panzerprojekt an das Militär heran, das allerdings erst im Jahr 1918 serienreif war und daher zu spät kam. Das hier gezeigte Fahrzeug ist das Ergebnis dieses Unterfangens:

Peugeot Panzer - Prototyp im Jahr 1918

Die Entwicklung des Panzers wurde von Hauptmann Etienne Œhmichen initiiert, einem Ingenieur, der bei der Spezialartillerie des französischen Militärs (l’Artillerie Spéciale) diente.

Œhmichens Mutter Claire war eine geborene Peugeot, so dass er zur Peugeot-Großfamilie gehörte, ohne jedoch mit den Industriellen eng verwandt zu sein. Er wurde in den 1920er Jahren als Konstrukteur des wohl ersten zuverlässig fliegenden, manntragenden Hubschraubers bekannt.

Er schlug ein Fahrzeug vor, das in etwa dem FT-17 ähnelte, dem aber der drehbare Turm fehlte.

Das Fahrzeug wog 8 Tonnen und hatte eine Besatzung von zwei Personen. Weder die Parameter der Panzerung noch des Motors sind derzeit bekannt. Der Panzer war jedoch mit einem Verbrennungsmotor mit konstanter Drehzahl ausgerüstet, der einen Stromgenerator antrieb. Dieser speiste zwei Elektromotoren, von denen jeder eine der Ketten antrieb.

Peugeot Panzer - Prototyp im Jahr 1918

Die Aufhängung und Antrieb bestanden aus vier Laufrädern, gepaart über zwei Drehgestelle mit Schraubenfederaufhängung, vorderem Leitrad, hinterem Antriebsrad und fünf kleinen Stützrollen. Die freiliegenden Teile der Aufhängung waren durch ein Panzerblech geschützt. Die Wanne war genietet und hatte den Vorteil eines geräumigen Aufbaus. Im hinteren Teil des Aufbaus und an den Seiten befanden sich die Türen für die Besatzung, die auch für die Verladung der Munition in das Fahrzeug genutzt wurden.

Die Hauptkanone war die 37mm SA-18 (einige Quellen behaupten fälschlicherweise, dass das Fahrzeug auch die 75mm Blockhaus Schneider Kanone trug, aber die Fotos scheinen nur die 37mm Variante zu zeigen), die in einer Kugellafette im vorderen Teil des Aufbaus montiert war, wobei sie etwas nach links von der Achse des Fahrzeugs versetzt wurde. Alternativ konnte der Panzer auch mit einem 8mm Hotchkiss MG bewaffnet werden. Der Fahrer saß auf der rechten Seite vom Geschütz.

Peugeot Panzer - Prototyp im Jahr 1918
Peugeot Panzer - Prototyp im Jahr 1918

Ein einziger Prototyp wurde Mitte 1918 gebaut, als die Niederlage Deutschlands nur noch eine Frage von Monaten war. Das Fahrzeug wurde erprobt und dem Renault gegenübergestellt. Ungeachtet seiner Einzigartigkeit wurde gegenüber dem bereits im Einsatz befindlichen FT-17 jedoch kein “Mehrwert” erkannt. Unter den gegebenen Umständen – der Krieg war praktisch vorbei – wurde das Projekt als überflüssig betrachtet und eingestellt