Targa Florio 1924

Im Jahr 1924 wurden die bis dahin eigenständigen Veranstaltungen Targa Florio und Coppa Florio zusammengelegt. Alle Starter nahmen an der Coppa-Wertung teil, für die in den Kategorien bis 1,1 bzw. 1,5 Liter Hubraum 3, in den größeren Kategorien 4 Runden a 108 Kilometer zu fahren waren. Für die Targa-Wertung mußte dann noch einen weitere Runde gefahren werden.

Obwohl 50.000 Lire als Preis für den Gesamtsieger ausgeschrieben waren, blieben Meldungen von italienischen Herstellern aus. Einziger werksunterstützter italienischer Wagen war der OM 665 von Renato Balestrero. Auch zwei Besuche des Veranstalters in Bad Cannstadt, um die Daimler-Motoren-Gesellschaft zur Teilnahme zu überreden blieben erfolglos.

Das Ausbleiben der Italiener kompensierten die Franzosen: Peugeot verschiffte vier Fahrzeuge des ausgereiften Rennwagenmodells 174S für die Fahrer Christian Dauvergne, Louis Rigal, Louis Wagner und André Boillot nach Palermo.

Louis Wagner am Steuer des Typ 174 S,
Zwei Hauptakteure der Targa Florio 1925: Louis Wagner am Steuer des Typ 174 S, hinter dem Wagen stehend Christian Dauvergne (hier vor dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1926)

Sein Targa-Florio-Debüt gab der Rennstall von Ettore Bugatti. Er meldete drei Bugatti Type 35 für die spanischen de-Vizcaya-Brüder und den Italiener Meo Constantini.

Im Rennen der Kategorien I und II starteten zwei Tatra 11 mit 1,1-Liter-Zweizylinder-Boxermotor mit den Fahrern Karl Sponer und Fritz Hückel

Louis Wagner am Steuer des Typ 174 S,
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Am Renntag gingen die Fahrzeuge morgens ab 7 Uhr in der Reihenfolge ihrer Startnummern und im Abstand von vier Minuten ins Rennen. Die erste Rennrunde dominierten die Peugeots mit André Boillot an der Spitze, der einen minimalen Vorsprung von zwölf Sekunden auf seinen Teamkollegen Louis Wagner herausgefahren hatte. Schnellster Bugatti im Feld war der Wagen von Meo Constantini an der dritten Stelle.
Den Rennausgang beeinflusste der Unfall von Christian Dauvergne in der dritten Runde. Dauvergne war in seinem Peugeot 174 S bei Kilometer 13 von der Strecke abgekommen und gemeinsam mit seinem Mechaniker aus dem sich überschlagenden brennenden Wagen gestürzt. Während der Mechaniker unverletzt blieb, erlitt Dauvergne Verbrennungen an den Beinen und Händen. Über die Unfallursache gab es widersprüchliche Aussagen. Es war die Rede von Flammen aus den Vorderbremsen und von einer zu aggressiven Fahrweise des Franzosen. Sein bis dahin führender Teamkollege Louis Wagner verlor viel Zeit, da er bei jeder Kontrollstation anhielt, um über den Unfall zu berichten.

An der Spitze entwickelte sich ein Zweikampf zwischen dem Bugatti-Piloten Constantini und dem Peugeot von Boillot, den Constantini für sich entschied. Schnellster Fahrer der Targa war aber Louis Wagner, der nach seiner Hilfe für Dauvergne viel von der verlorenen Zeit wieder aufholen konnte. Im Ziel fehlten ihm nur fünf Minuten auf Constantini, wodurch er Boillot noch auf den dritten Platz verdrängte.

Der Zieleinlauf der Gesamtwertung sah dann nach 540 Kilometern wie folgt aus:

1. Meo Constantine Bugatti T 357 Stunden 32 Minuten
2. Louis WagnerPeugeot 174 S 7 Stunden 37 Minuten
3. Andre BoillotPeugeot 174 S 7 Stunden 40 Minuten

Louis Rigal und Christian Dauvergne mit den beiden anderen Peugeot 174 S fielen durch einen technischen Defekt bzw. den Unfall aus.