Überwinterung – Fehler beim Einmotten der Oldtimer vermeiden

Wer einen wertvollen (Vorkriegs-)Oldtimer sein eigen nennt, setzt diesen nur in Ausnahmefällen Schnee und Eis, hoffentlich aber nie Streusalz aus. Normalerweise wird man ihn an einem sicheren Ort überwintern lassen. Trotzdem passieren dabei immer wieder Fehler.

Was beim Einmotten der Oldtimer immer wieder falsch gemacht wird:

1. Falscher Standplatz:
Draußen geht gar nicht, auch Carports sind nicht geeignet. Am besten ist eine geheizte Garage, aber eine solide Halle ist auch okay. Am besten mit gemauerten Wänden, dann fallen Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und damit die Kondenswasserbildung nicht so heftig aus. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sein Auto auch luftdicht einpacken. Dafür gibt es im Oldtimer-Zubehör riesige Säcke aus Plastik, in denen das Auto geparkt wird.

2. Nass abstellen:
Oft zu beobachten: Der Oldie wird liebevoll gewaschen und dann sofort weggestellt. Das zwischen Bremsscheiben und -belägen sowie in den Trommeln verbliebene Wasser hat nun den ganzen Winter Zeit, für reichlich Rost zu sorgen. Möglicherweise drehen sich die Räder nächstes Jahr gar nicht mehr.

3. Mit kaltem Motor abstellen:
Der Motor wird nur kurz gestartet, das Auto auf seinen Stellplatz rangiert und dann nach ein paar Sekunden wieder abgestellt. Was wenig bekannt ist: Bei der Verbrennung von einem Tropfen Benzin entsteht ein Tropfen Wasser. Und der bleibt nach jedem Kaltstart zunächst im Motor und der Auspuffanlage, weil Wasser eben erst bei 100 Grad verdampft.
In der Folge bildet sich Rost in den Zylindern und an den Kolbenringen des Motors sowie in der Auspuffanlage. Und natürlich bleibt es nicht bei einem Tropfen, ein Viertelliter kommt beim Rangieren schnell zusammen.
Deshalb nach dem Waschen und vor dem Abstellen mindestens 20 Kilometer fahren, dabei auch mal kräftig bremsen, bis Antrieb und Bremsen richtig warm sind. Dann sofort auf den endgültigen Abstellplatz fahren und den Motor abstellen.

4. Motor zur Probe laufen lassen:
Die Todsünde schlechthin, trotzdem in Oldtimerkreisen weit verbreitet. Das arme Triebwerk wird –  womöglich bei Frost – aus dem Winterschlaf gerissen, nur um zu sehen, ob es noch anspringt. Im eiskalten Motorblock bilden sich sofort Mengen von Kondenswasser.
Folgen: siehe oben. Deshalb zum Mitschreiben für alle Skeptiker: Ein Auto, das im Herbst aus eigener Kraft zum Winterlager gefahren ist, wird im Frühjahr auch wieder anspringen.

5. Batterie nicht ausgebaut bzw. (an beheizten Standorten) abgeklemmt:
Ist ja auch lästig, das schwere Ding durch die Gegend zu schleppen. Dumm nur, dass eine Autobatterie pro Tag ein Prozent ihrer Kapazität verliert, ganz von allein. Und wenn das Auto eine elektrische Uhr hat, noch mehr. Irgendwann ist sie leer.
Batterien beginnen unterhalb einer Spannung von 12,5 Volt, sich innerlich aufzulösen. Oder können, wenn sie komplett leer sind, beim nächsten Frost einfrieren. Dann platzt zumeist das Gehäuse, die Säure läuft aus und zerfrisst die ganze blecherne Umgebung. Also besser die Batterie ausbauen, kühl und trocken lagern und ein Erhaltungsladegerät anschließen – Wellness pur für den Akku.

6. Tank entleeren:
Es ist ratsam, vollzutanken und so das Luftvolumen im Tank möglichst klein zu halten, was der Bildung von Kondenswasser und daraus resultierenden Rost entgegenwirkt. Wer Angst hat, dass E 5 oder E 10 – Benzin während der Standzeit durch Bakterienbefall verdirbt, sollte einen Benzinstabilisator zusetzen.
Bei Vergasermotoren kann es jedoch nicht schaden, die Schwimmerkammer zu entleeren. Andernfalls kann der Sprit mit der Zeit eintrocknen und einen klebrigen Rest hinterlassen, der im Frühjahr das Anspringen erschwert.

7. Ölwechsel vor oder nach der Winterpause?
Hier scheiden sich die Geister; sicher ist aber, dass genutztes Öl korrosionsfördernde Bestandteile enthält. Somit sollte man den Ölwechsel also vor dem Einwintern durchführen. Nicht gut ist es für die Schmierung zwischen Kolben und Zylinderwand, den Motor ab und zu kurz laufen zu lassen. Das Einfüllen eines speziellen Korrosionsschutzöls ist nur bei mehrjähriger Ruhepause notwendig.

8. Frostschutz vergessen
Je nach Standort kann die Kälte dem Oldtimer gefährlich werden. Gefriert das Kühlwasser, kann das den Motor Ihres Oldtimers und andere Bauteile stark beschädigen. Daher auf jeden Fall den Frostschutz im Kühlsystem prüfen und sinnvoller Weise für Schutz bis zu Temperaturen von 15 – 20 Grad Minus vorsorgen. Auch in einer normalerweise warmen Garage kann die Heizung mal ausfallen. Daher sollten Sie bei sehr tiefen Temperaturen sichergehen und Garage sowie Frostschutz erneut kontrollieren.

9. Bremsen anziehen und Gang einlegen
Eine angezogene Handbremse neigt dazu, im Lauf einer längeren Standzeit „festzugehen“; das führt dann dazu, dass der Wagen sich im Frühjahr keinen Zentimeter mehr bewegen lässt. Wenn man Glück hat, bekommt man die Bremsen mit brachialen Methoden wir Hammerschlägen wieder frei, ansonsten hilft dann nur die Demontage. Daher ist es auf jeden Fall besser, den Wagen im Leerlauf und ohne Handbremse abzustellen. Gegen unbeabsichtigtes Rollen helfen Keile, die man unter die Räder legt.

10. Auto aufbocken:
Ein Tipp aus der Gründerzeit des Automobilismus, um die Reifen und Blattfedern zu schonen, die gern schon nach wenigen Kilometern durchhingen. Bei Vorkriegswagen gilt dieser Tipp immer noch.
Für Fahrzeuge mit moderneren Fahrwerken ist er aber kontraproduktiv, denn voll angehoben sind die Gummimetallbuchsen der Achslenker bis zur Grenze ihrer Elastizität vorgespannt. Für kurze Dauer wie bei Reparaturen macht das nichts, aber nach mehreren Monaten können diese schlicht abreißen.
Besser: Das Auto auf den Rädern stehenlassen und die Reifen um 30 Prozent stärker aufpumpen, das beugt ebenfalls Standplatten vor.   

11. Diebstahlschutz vernachlässigen
Viele Besitzer glauben, dass im Winter während der Einlagerung nicht passieren kann. Gerade in Zeiten, in denen man länger nicht nach dem Wagen sieht, sollte man ihn aber vor Langfingern schützen. Dafür bietet sich neben den üblichen Sicherungen (eine abgeschlossene Garage setzen wir mal voraus) wie Lenkrad- und Parkkralle bei hochwertigen Autos zusätzlich eine Alarmanlage oder ein Ortungssystem an.

Einiges zu beachten also im Umgang mit dem Oldtimer. Aber auch sinnvoll, denn schließlich geht es um technisches Kulturgut. Und das sollte nicht unter typischen Fehlern leiden müssen.

Quelle: Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, ADAC, Hiscox u.a.