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Peugeot 402 Cabriolet Carosserie ACB (falsch bezeichnet als "Carosserie Portout")

Im Internet taucht in den letzten Jahren immer wieder ein Peugeot 402 mit einer sehr eleganten Sonderkarosserie auf, der u.a. Preisträger beim Concours in Pebble Beach ist oder gewesen sein soll. Laut dem amerikanischen Besitzer, der den Wagen dort vorstellte, soll es sich bei dem Einzelstück um einen DarlMat mit bei Portout in Paris gebauter Karosserie handeln.

Der Verkäufer behauptet dazu:
"Man glaubt, dass dieses einmalige Fahrzeug vermutlich für den Pariser Auto Salon gebaut wurde. Es blieb dann bis in die späten 80er Jahre in Frankreich, bevor es in die USA kam und lange unbeachtet  in einem Restaurationsbetrieb stand. Es wurde dann als Teilzahlung für einen Duesenberg an Jerome Sauls weitergegeben. Der jetzige Besitzer erwarb das Auto von Herrn Sauls und machte eine Komplettinstandsetzung, die 3 Jahre dauerte und im Jahr 2010 abgeschlossen wurde. Die Restaurierung wurde von der Firma "International Restaurations" in Oaklawn, von der mehrere Best of Class Gewinner in Pebble Beach stammen, durchgeführt. Das Auto wurde dann bei mehreren Concours im Mittleren Wetsen der USA sowie in Amelia Island gezeigt, wo es Auszeichnungen erhalten hat und mit 100 Punkten in CCCA Wettbewerb beurteilt wurde. Obwohl es noch einige Einladungen zu bedeutenden Concorursveranstaltungen gibt, hat der Besitzer nun mehr Interesse am historischen Rennsport und will den Wagen verkaufen."


Die Wörter "glaubt" und "vermutlich" zeigen, dass der Verkäufer sich alle Optionen offen halten und keinesfalls festlegen möchte. 


Nach aktuellen Informationen befindet sich das Auto jetzt bei einem Rolls-Royce -  Händler in Norwegen, der ihn für 485.000 $ zum Kauf anbietet.

Nachdem sich ernste Zweifel ergaben, ob es sich um eine Portout-Karosserie handelt, habe ich meinen Frankreichurlaub im März 2013 genutzt, diverse Sammler und 402-Spezialisten zu besuchen und u.a. auch zu diesem Fahrzeug Informationen zu sammeln. Dabei stellte sich folgendes heraus:

Der Sohn von Marcel Portout bestreitet kategorisch, daß sein Vater diese Karosserie gebaut hat.

Nach meinen in Avignon bekommenen Infos ist die Grundlage des Autos ein 50er-Jahre Umbau durch die Fa. ACB (Les Ateliers de Construction Becon) bzw. von deren Besitzer, Herrn Maurice Broual, auf 402 – Basis. Von DarlMat ist nicht die Rede.

Herr Broual hat u.a. zu dieser Zeit auf Amilcar-Basis einen Monoplace-Rennwagen mit 402 Motor gebaut, der bei Formelrennen eingesetzt wurde und heute noch existiert. Sein Sohn Michel zeigt den Wagen gelegentlich bei Oldtimerveranstaltungen (siehe hier).

Der 402 - Broual - Umbau wurde in den 1990ern nach Infos meiner Quelle in die USA verkauft und dort wohl in die heutige Form umgebaut - die Werkstatt sieht nicht gerade nach einem international bekannten Restaurationsbetrieb aus:


Der Umgestalter selbst oder einer der späteren Besitzer hat dann (wissentlich, um den Wert zu erhöhen ???) die Fehlinformation von der DarlMat/Portout-Karosserie in die Welt gesetzt - seither tauchen jedenfalls Fotos des Autos mit "Karosserie Portout" auf, was - wie wir jetzt wissen -  nachweislich falsch ist.

Generell ist nichts gegen den Umbau einer Karosserie einzuwenden - in diesem Fall wurde sie unzweifelhaft deutlich eleganter. Das Problem liegt darin, den Umbau zu verschweigen bzw. wie hier einem falschen Karosseriebauer zuzuordnen. Was von einer solchen Handlungsweise zu halten ist, darf sich jeder selbst überlegen.

Für mich ebenso wenig nachvollziehbar ist allerdings, warum die fehlerhafte Zuordnung nicht schon bei der Meldung des Fahrzeugs zum angeblich wichtigsten Concours d'Elegance der Welt in Pebble Beach aufgefallen ist. Es stellt sich die Frage, ob den hochgelobten Preisrichtern schlichtweg das Wissen zu diesem Einzelstück fehlte und man sich nicht die Mühe machte, über die Angaben des Besitzers hinaus nachzuforschen oder ob doch andere Interessen Grund für die fehlerhafte Zuordnung waren.

Bei entsprechend hoch angesiedelten Veranstaltungen in Europa sollte zumindest künftig sichergestellt sein, daß Fehler dieser Art nicht mehr auftreten.

Michael Kreuz

weiteres zu A.C.B. bzw. Broual finden Sie hier