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„La Fuseau de Sochaux" - Peugeot 402 - Stromlinie in Serie

1934 - noch herrscht fast überall Friede in Europa und die Weltwirtschaftskrise hat in den meisten westlichen Industrienationen ihren Höhepunkt überschritten. Die Zeiten sind nicht schlecht und das es je wieder zu einem großen Krieg in Europa kommen sollte, mag sich fast niemand vorstellen.

Noch werden auch die Zeichen aus Deutschland, die es durchaus schon gibt, nicht als bedrohlich wahrgenommen.

Die Welt kostet vom Fortschritt und hofft auf eine Zukunft, die vor allem in der Luft stattzufinden hatte. Sieben Jahre zuvor hat Charles Lindbergh erstmals den Atlantik mit dem Flugzeug überquert und mit den Luftschiffen des Grafen Zeppelin ist eine regelmäßige, äußerst komfortable Flugverbindung zwischen Europa und Nord- und Südamerika entstanden.

Das Flugzeug hatte die Sinne für die Aerodynamik, für Linien, die schon im Stand von Geschwindigkeit zeugen, geschärft. Weil sich die meisten Menschen aber keinen Flug, sondern nur ein Fahrrad oder wenn es hoch kam ein Motorrad leisten konnten, verirrte sich die Stromlinie auch auf Gegenstände, denen Windschlüpfrigkeit egal sein konnte wie Küchenmaschinen oder Möbeln.

In diesem Jahr stellte die Fa. Chrysler auf der New York International Auto Show das erste, in konsequenter Stromlinie gezeichnete Serienauto der Welt vor. Durch Qualitätsprobleme, vor allem aber, weil das Design der Zukunft den durchschnittlichen amerikanischen Käufer einfach in der Gegenwart zurückließ, wurde der „Chrysler Eight Airflow" ein grandioser Flop, der nur noch mit dem Edsel-Desaster bei Ford Ende der 1950er Jahre zu vergleichen ist und den Konzern an den Rand des Ruins brachte.

Dennoch erschien - vorgestellt im Oktober 1935 auf dem Pariser Autosalon - in Frankreich, das den Sendboten der Zukunft traditionell wesentlich offener gegenüberstand als das konservative Amerika, der Peugeot 402.

Das Auto hatte, besonders im Heckbereich, eine dem Airflow sehr ähnliche Formgebung. Die Front mit den unter dem Kühlergrill liegenden, eng nebeneinander stehenden Hauptscheinwerfern war jedoch einzigartig und ist es bis heute geblieben, wenn man von den direkten, in den Folgejahren vorgestellten Verwandten Peugeot 302 und 202 absieht.

Viele Stilelemente wie die geknickte Frontscheibe und die Instrumente waren vom Flugzeug inspiriert, die glatten Seitenfronten ohne vorstehende Kotflügel, die verkleideten hinteren Radauschnitte sowie das Weglassen der Trittbretter waren revolutionär. Deutlich erdverbundener, dafür aber unerschütterlich solide und praktisch für Generationen gebaut präsentierte sich der Vierzylindermotor.

Im Gegensatz zum 1934 vorgestellten Traction Avant des Hauptkonkurrenten Citroen, bei dem viele Lösungen noch nicht alltagstauglich waren, war der 402 ein ausgereiftes Auto. Mit Einzelradaufhängung vorn an einer Querblattfeder, hinterer Starachse, klassischem Rahmen und 12-Volt-Elektroanlage war er technisch auf der Höhe der Zeit, lediglich die Seilzugbremsen wirkten schon damals leicht veraltet.

Auf dem Pariser Salon des Jahres 1935 war der Peugeot 402 unbestritten einer „der" Hingucker. Im Gegensatz zum Vorbild Chrysler Airflow wurde er auch zum einen echten wirtschaftlichen Erfolg. Das Auto war in der gehobenen Mittel- oder unteren Oberklasse angesiedelt, der 1935 aufgerufene Preis von rund 30.000 Franc entspricht - umgerechnet auf heutige Kaufkraft - in etwa dem, was aktuell für eine üppig ausgestattete Daimler S-Klasse anzulegen ist.

Bereits auf dem Salon 1935 präsentierte sich die 402-Familie recht zahlreich; neben der 6-spitzigen Limousine mit 4 Türen in den unterschiedlichen Ausstattungsvarianten „Luxe" und „Grand Luxe" waren ein „Coach" genanntes 2-türiges Coupe, eine Kombi namens „Commercial", ein Roadster mit vier Plätzen und sowie ein sechssitziges Cabrio im Angebot.

Außerdem wurde der nur 80 mal gebaute Peugeot 402 „Coupe Transformable Electrique" - später unter der Bezeichnung „Eclipse" bekannt, die aber nie offiziell verwendet wurde - angeboten. Dabei handelt es sich um einen atemberaubenden Zwei/Dreisitzer, dessen Blechdach elektrisch betrieben in den Kofferraum versenkt werden konnte. Von diesem Auto sind heute weltweit nur noch drei Exemplare bekannt.

Bald nahmen sich auch Karosseriebauer des Peugeot 402 an. In der Schweiz fertigte die Fa. Worblaufen ein 2-türiges Cabriolet, auch Graber stellte einige Karosserien für den 402 her.

In Paris wurden von Emile DarlMat, der seit 1923 in Paris Vertragshändler von Peugeot war, ab 1937 hinreißend schöne Karosserien angeboten.

So entstanden - je nach Quelle - zwischen 102 und 105 Fahrzeuge mit  „DarlMat"-Spezialkarosserie – 32 Cabrios, 20 Coupes und 53 Roadster (davon 38 mal die Version 302 DS und 15 mal der 402 DS). Heute sind davon insgesamt nur noch 22 Exemplare bekannt.

Die durchweg zweisitzigen Wagen gehören zum schönsten, was der französische Karosseriebau in den 30er Jahren zu bieten hatte und brauchen keinen Vergleich mit dem Design von Bugatti, Delahaye oder Delage zu scheuen.

Mitte der 30er Jahre beauftrage die Fa. Peugeot den Aerodynamiker Jean Andreau, die gängigen Theorien auf einem 402-Chassis umzusetzen. Aus seinem Entwurf entstand 1936 ein Prototyp, der ebenfalls auf dem Pariser Salon gezeigt wurde. Im Mittelpunkt des Interesses standen Abtrieb und Richtungsstabilität. Sie wurden erreicht, so ein zeitgenössischer Originalton, indem „der Mittelpunkt der seitlich angreifenden Kräfte nach hinten gerückt wird".

Der „Andreau" ist wohl der prägnanteste Vertreter der 402- Familie und gleichzeitig eines der extremsten Beispiele des Stromliniendesigns im Vorkriegs-Automobilbau. Mit dem senkrecht stehenden Heckleitblech gleicht er einem auf Land geratenen U-Boot; aber nicht nur die Form ist avantgardistisch.

Bei identischer Motorisierung wie die Serienlimousine und gleichen, nur etwas tiefer gelegtem Chassis erreicht die Stromlinienstudie bei ca. 30 % geringerem Kraftstoffverbrauch (statt 13 Liter nur 10 Liter) eine rund 40 % höhere Endgeschwindigkeit von etwa 160 Km/h.

Er schaffte es zwar nie in die Serie, es wurden jedoch immerhin 5 Exemplare gebaut, von denen sich eins im Peugeot Museum Sochaux befindet.

1937 kommt mit dem „Eclipse" Typ E4Y eine neue Generation der Stahldach-Coupe/Cabrios auf dem Markt, die als 4/5-Sitzer angeboten werden.

Bis 1939 bleiben die Fahrzeuge (zuletzt auf Basis des seit 1938 angebotenen 402 B) im Programm und finden zum - auf heutige Währung umgerechneten - Preis von rund 150.000 € etwa 500 Käufer.

Heute sind hiervon nur noch 26 Stück bekannt.

1935/36 und nochmals 1938 gibt es Versuche mit dem HL 50 bzw. HL 60 genannten Dieselmotor, der probeweise in in Paris eingesetzte Taxis eingebaut wird. Leider stoppte der Kriegsausbruch diese Versuche. Somit ist die Fa. Peugeot einer der ersten Hersteller, der Dieselmotoren auch in PKW einsetzte.

Ab 1938 wird die erste Serie durch den 402 B mit auf 2,2 Liter Hubraum und leicht auf ca. 62 PS erhöhter Leistung ersetzt. Äußerlich ist der „B" am runderen, gewölbten Kühlergrill, dem aufgesetzten Kofferraum sowie den jetzt serienmäßigen „Pilote"-Felgen zu erkennen. Auch hiervon werden Limousine, Cabriolet, die „Decapotable" genannte Cabriolimousine und weitere Varinaten angeboten.

Der 402 B bleibt bis zur Einstellung der PKW-Produktion im Jahr 1942 unter deutscher Besatzung im Programm. Für den militärischen Einsatz in der deutschen Wehrmacht werden deutsche Normen umgesetzt, die heute die Restauration der späten 402-Limousinen sehr erschweren. Die letzten mehreren tausend produzierten Fahrzeuge werden zum überwiegenden Teil an Waffen-SS-Divisionen an der Ostfront ausgeliefert und dort auch zerstört. Diese Fahrzeuge tauchen in den offiziellen Statistiken der Fa. Peugeot nicht auf.

Von 1935 bis 1942 werden rund 75.200 Fahrzeuge des Typs Peugeot 402 gebaut; insgesamt gibt es 43 !! Karosserie- bzw. Ausstattungsvarianten zur Auswahl.

Darüber hinaus wurden noch eine Vielzahl von Kleintransportern und Leicht-LKW mit dem 402 Motor und Chassis gefertigt.

Soweit heute noch feststellbar, wurden insgesamt fast 54.000 Exemplare gebaut. Dabei handelt es sich im engeren Sinn um die Typen MK 4, MK 5 und MKN, DK 5 und D5G (mit Holzvergaser-Antrieb), die alle auch in der Karosserie die Verwandtschaft zum 402 erkennen lassen.

Zusätzlich gab es noch den etwas kuriosen Flachschnauzer DMA mit den Spielarten DMAH und DMAG (Holzvergaser), der nach dem Krieg mit dem 203–Motor ausgestattet wurde und als D3A bzw. D4A karosseriemäßig aber nur leicht modifiziert bis in die 60er Jahre weiterlebte.

Heute sind die großen Peugeot - Limousinen der dreißiger Jahre äußerst selten. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass auch im Mutterland Frankreich selbst nicht viel mehr als 500 Exemplare bis heute überdauert haben.

Wenn man das Glück hat, einen Wagen zu einem erschwinglichen Preis aufzutreiben, sieht er häufig so aus wie auf dem folgenden Foto und ist nur mit exorbitantem finanziellem und ideellem Aufwand wieder in ein Schmuckstück wie die hier gezeigten Exemplare zu verwandeln.