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Der Peugeot 201X oder Bugatti Typ 48

Das Ettore Bugatti mit Peugeot zusammenarbeitete, ist bekannt. Unter dem Namen „Bebe" (Bugatti Typ 16 / Peugeot Typ 159) wurden zwischen 1912 und 1914 mehr als 3.000 Autos in Lizenz von Lion-Peugeot produziert, der Bebe war damit Bugatti´s größter kommerzieller Erfolg.

 

Weniger bekannt ist, dass es 1931 beim „Peugeot 201 X" zu einer weiteren Zusammenarbeit kam. Wie kam es nun zu dieser erneuten Kooperation in der Weltwirtschaftskrise, die kleine Firmen in den Konkurs stürzte?

Bei Peugeot war der brandneue 201, der 1929 vorgestellt wurde, das richtige Auto zur richtigen Zeit. Es ist der erste Peugeot, der in Großserie gebaut wird und ist er mit unabhängigen Vorderradaufhängungen ausgestattet ist. Mit ihm beginnt die noch heute gültige Modellbezeichnung der 3 Ziffern mit der 0 in der Mitte. Was noch fehlte, waren Erfolge im Motorsport, die an die große Zeit vor dem ersten Weltkrieg anknüpften.

Die elsässische Firma Bugatti wird durch die globale Krise gezwungen, weitere Vertriebswege zu suchen, da der opulente Bugatti Royal sich nicht verkaufen liess und kein Kleinwagen für den Massenmarkt im Programm war. Im Jahr 1930 erwägt Bugatti daher, die alte Zusammenarbeit mit Peugeot wieder aufleben zu lassen und einen kleinen Motor für den Motorsport für Peugeot zu konstruieren.


Peugeot beauftragte den renommierten Sportwagenbauer mit der Entwicklung einer Rennsportvariante auf Basis des 201. Der überwiegende Teil des Fahrzeugs kam von Peugeot, wo es auch gebaut wurde. Ausgehend vom 201-Fahrwerk mit unabhängiger Radaufhängung erhielt der Type 201-X die Bugatti-typischen Viertel-Eliptik-Blattfedern hinten, die bis zum 402 wesentliches Konstruktionsmerkmal der Peugeot-PKW blieben.

Als Antrieb diente ein Bugatti-Motor. Der Vierzylinder mit nur 944 cm³ Hubraum war vom Reihen-8-Zylinder des Bugatti Typ 35 abgeleitet, aber nur halb so groß. Wie dieser hatte er eine obenliegende Nockenwelle und pro Zylinder zwei Ein- und ein Auslassventil. Einige Exemplare wurden mit Roots-Gebläsen aufgeladen. Das Fahrzeug hatte ein Vierganggetriebe und rundum Trommelbremsen. Bei Bugatti lief das Projekt als Type 48.

Für die damalige Zeit ist der 201 X mit lediglich 1000 ccm Hubraum sehr schnell – 135 km/h werden erreicht. Ein Problem ergibt sich durch den schmalen Radstand von nur 115 Zentimeter, die den Wagen, der in der Serie für etwa 90 km/h gut ist, recht instabil macht.

Ganz in der Nähe von Sochaux findet Peugeot einen Fahrer für den 201 X - den Gewinner der Targa Florio 1919 und des Coppa Florio 1922 und 1925, Andre Boillot.

Er ist der jüngere Bruder des berühmten Werksfahrers Georges Boillot, der vor dem ersten Weltkrieg große Erfolge für Peugeot errang und dann als Jagdflieger abgeschossen wurde. Auch Andre Boillot war Kampfpilot und beendete den Krieg mit 5 Abschüssen deutscher Flugzeuge.

Im Jahr 1919 begann André mit dem Motorsport als Peugeot-Werksfahrer und gewann die Targa Florio und die Florio Cup im Jahr 1922. Im Jahr 1923 gewann er den Grand Prix von Frankreich ACF), 1925 die 24 Stunden von Spa und 1926 zahlreiche andere Veranstaltungen auf dem Peugeot 174S mit ventillosem Schiebermotor. Wie schon sein Bruder blieb er sein Leben lang der Marke Peugeot treu. Am 8. Juni 1932 verunglückte er während einer Trainingsfahrt zum Bergrennen von Ars-LaChâtre in der Nähe von Châteauroux tödlich, als sein 201 X von der Strasse abkam.

Das war das Ende der Renneinsätze des 201 X. Nur etwa 20 Exemplare entstanden, die meisten als Roadster mit Spitzheck oder Cabriolet karrossiert. Angeblich hat nur ein einziges überlebt, das lange in einem nur auf Anfrage öffnenden Privatmuseum, dem Filching Manor Motor Museum, dessen Homepage seit mehreren Jahren offline ist, stand. Die Quelle hierfür ist ein ebenfalls nicht mehr im Web befindlicher Bericht des Peugeot Club UK, der dort einen Besuch absolvierte (hierher stammen auch die folgenden Fotos). Dort taucht der der Name Carl Foulkes Halbard auf, der offensichtlich der Eigentümer dieses Fahrzeugs war und 1993 verstarb.

Ein Peugeot 201 X wurde am 28.2.1994 bei Sothebys bei einer Versteigerung angeboten, aber wohl nicht verkauft, obwohl das Estimate nur zwischen 9-12tsd GBP lag. Es muß davon ausgegangen werden, dass es sich um dasselbe Fahrzeug handelt. Ob es danach verkauft wurde oder heute noch im Museum steht, konnte nicht recherchiert werden.

In der Ausgabe der franz. Zeitschrift „Le Fanatique de L´ Automobile" vom März 1980 wurde ein ausführlicher Bericht über das Auto veröffentlicht.

Quelle: Diverse aus dem Web