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Peugeot Typ 601 - Oberklasse der frühen 30er Jahre

Aufgrund des aussergewöhnlichen Erfolges des Peugeot Typ 201 (7CV), der auf dem Pariser Automobilsalon im Oktober 1929 vorgestellt worden war, überlebte die Fa. Peugeot den Wall Street Crash vom gleichen Monat und die darauf folgende große Depression. Die Folgen des Börsenzusammenbruchs spürte Frankreich – wie die ganze Welt – bis weit in die dreißiger Jahre hinein noch stark, aber Peugeot hatte mit dem Kleinwagen 201 das richtige Produkt zur richtigen Zeit.

Auf dieser gesunden Basis wurden bald sehr viele verschiedene Karosserien für den privaten und gewerblichen Einsatz und 1932 - als 301 - ein Fahrzeug mit einem etwas größerem 8 CV-Motor angeboten. Mitte 1934 erschien konsequent als 10 CV der 401, der nun auf dem neu entwickeltem Bloctube-Chassis aufbaute.

In der Zwischenzeit – und wie um die Krise ad absurdum zu führen – stellte man im Februar 1934 mit dem Typ 601 einen leistungsstarken 6-Zylinderwagen vor, der schon 1932 entwickelt, aber zunächst zurückgestellt worden war. Ziel war, die Baureihe "01" nach oben abzurunden, ohne weiterhin die – sowohl in der Herstellung als auch im Unterhalt und Verbrauch - sehr teuren ventillosen Schiebermotoren (letztes Modell Typ 184, gebaut bis 1929) oder die 2000 ccm 6-Zylinder der ungeliebten Serie 12-Six (Typen 176 und 183 – ausgelaufen im Jahr 1931) weiterzubenutzen.

Der Sechzylinder wurde benötigt, um ein Abwandern der Kundschaft in diesem Bereich zu den großen Konkurrenten Citroen und Renault, die entsprechendes mit dem 15 Six und dem Vivasport im Angebot hatten, zu verhindern. Und das, obwohl der Markt sehr klein war und die Absatzprognosen von nur geringen Stückzahlen für das gesamte Segment ausgingen.

Der neue 601 bot eine 2,2 Liter-6-Zylindermaschine, die aufgrund der seitlichen Ventile echte 60 PS bei hoher Elastizität und geringem Geräuschpegel leistete. Das ist erwähnenswert, um so mehr, als der Sechszylinder steuerlich nur als 12 CV eingestuft wurde und damit im Unterhalt relativ günstig war.

Die ersten, im Frühling 1934 ausgelieferten 601 hatten den Fehler, dass sie optisch sehr stark an die kleinen 201/301er angelehnt waren und für die potenzielle Kundschaft die Verwandschaft zur Mittelklasse zu offensichtlich wurde. Der große Peugeot wurde daher in 18 Monaten von Februar 1934 bis Juli 1935 nur knapp 4.000 mal gebaut. Dafür aber bereits ab Werk, ohne externe Karossierbauer zu berücksichtigen, in der rekordverdächtigen Zahl von 17 !! verschiedenen Karosserievarianten.

Das Spektrum reichte von der konventionellen, eher langweiligen kastenförmigen Limousine über 2- und 4-sitzige Cabriolets, Pseudo-Stromlinienvarianten hin zu Roadstern; für die vermögende Großfamilie war auch ein 8-Sitzer unter der Bezeichung "Limousine Familiale" im Programm.

Der 601 litt in der Normalversion trotzem stark unter der Ähnlichkeit zu seinen kleinen Geschwistern 201 und 301, obwohl er durch seinen langen Radstand mit sehr schönen Sportkarosserien (z.B. dem "Coach Profile") ausgerüstet werden konnte, die keine Gegenstücke bei den kleineren 01ern haben.

Als Tüpfelchen auf dem i fertigte der Karossierbetrieb Portout in Zusammenarbeit mit George Pauline eine "Eclipse"-Coupe-Cabriolet-Version mit elektrisch im Kofferaum versenkbarem Stahldach, von der immerhin 20 Stück gebaut wurden. Heute ist davon noch ein Exemplar bekannt, daß sich seit 2009 im Musee Peugeot befindet, nachdem es vorher jahrelang im heute nicht mehr existenten Automobilmuseum in Muriaux (CH) gestanden hatte.

Im Herbst 1935 wurde der 401/601 durch den spektakulären neuen 402 in Stromliniendesign mit gänzlich neu entwickeltem, modernem Motor ersetzt, wobei es für den 6-Zylindermotor keinen Nachfolger geben sollte.