Peugeot Oldtimer Club - www.vorkriegs-peugeot.de Eine Initiative von Michael Kreuz zur Pflege & Erhalt von Peugeot Oldtimern der Vorkriegszeit. Eine umfangreiche Sammlung von Informationen, Veranstaltungen & more!

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Ein Exot aus Frankreich - Peugeot Typ 153 B

Bei der traditionsreichen Marke Peugeot denkt man nicht unbedingt an „Exoten" – doch dieser Oldtimerblog ist Vorkriegsautos gewidmet und betrachtet die damalige Autolandschaft aus deutscher Perspektive.

Dabei gewinnt man den Eindruck, dass Fahrzeuge von Peugeot diesseits des Rheins bis zum 2. Weltkrieg nur selten anzutreffen waren. Nach der Besetzung Frankreichs 1940 sah das schlagartig anders aus, doch das ist eine andere Geschichte...

Bislang haben wir hier jedenfalls kaum Vorkriegsfotos von Peugeots, die in Deutschland zugelassen waren, zeigen können. Eine der wenigen Ausnahmen war ein Wagen des Typs 163 (Vier Herren in Adventsstimmung - Type 163)

Man fragt sich, wieso das eigentlich der Fall war. Denn Konkurrent Citroen, der erst nach dem 1. Weltkrieg Autos zu bauen begann, war ab 1927 sogar mit einer eigenen Produktion in Deutschland präsent. (Anmerkung: Auch Peugeot produzierte 1930/31 kurzzeitig Motorräder für den deutschen Markt in Stuttgart -  Näheres dazu finden sie hier )

Soweit dem Verfasser bekannt, bemühte sich dagegen Peugeot vor dem 2. Weltkrieg nicht sonderlich um den Export seiner Wagen nach Deutschland (Anmerkung von uns: bereits seit 1907 gab es einige private Importeure, 1927/28 residierte Herr A.Linden als Generalvertreter von Peugeot in der Nymphenburger Str. 9 in Berlin - bitte hier klicken - und ab 5.9.1936 arbeitete die Fa. Kochte und Rech in Saarbrücken als offizieller Generalimportuer (hier der Artikel zu 80 Jahre Peugeot in Deutschland)  Dabei mag eine Rolle gespielt haben, dass hierzulande eine Mentalität vorherrschte, die auch unterlegenen heimischen Produkten aus Patriotismus den Vorzug gab.

Dass man damit bloß die Bequemlichkeit – und in Teilen auch Inkompetenz – der deutschen Hersteller sanktionierte, sah damals nur eine Minderheit von Kennern. Sie bevorzugten ausländische Wagen, vor allem solche von US-Herstellern.

Einige „Vaterlandsverräter" müssen aber auch die Qualitäten der Peugeot-Automobile gesehen haben und scheinen damit recht zufrieden gewesen sein. Ein schönes Beispiel dafür zeigt folgende Originalaufnahme:


© Peugeot Typ 153B, aus Sammlung Michael Schlenger

Die Ansprache als Peugeot ermöglicht die typische breite und oben geschwungene Kühlermaske, auf der sich das Markenemblem abzeichnet. Die Größe des Wagens sowie formale Details an Rädern, Schutzblechen und Windschutzscheibe lassen auf einen Typ 153B schließen, der ab 1920 in diversen Ausführungen gebaut wurde.

Im Unterschied zum neukonstruierten Peugeot 163 war der 153B eine Weiterentwicklung des Vorkriegstyps 153A. Dieser war 1913 vorgestellt worden und zeichnete sich durch eine moderne Motorenkonstruktion mit strömungsgünstig im Zylinderkopf hängenden Ventilen aus.

Bei der modernisierten Nachkriegsausführung 153B war auf Wunsch auch eine Vierradbremse erhältlich. Wie es scheint, verfügt der Wagen auf unserem Foto ebenfalls über Bremstrommeln vorne.

Der Tourenwagenaufbau ab der Windschutzscheibe entspricht den Konventionen der Zeit – hier unterschieden sich die Autos bis Ende der 1920er Jahre kaum.

Die jungen Insassen hinten scheinen jedenfalls trotz wenig erbaulichen Wetters glücklich gewesen zu sein:

Eine Fahrt im Automobil war damals ein heute kaum vorstellbares Privileg – erst recht in einer ländlichen Gegend Mitte der 1920er Jahre.

Leider ist das Nummernschild teilweise verdeckt, sodass wir über den Aufnahmeort nichts sagen können.
Das Kennzeichen entspricht aber den deutschen Vorschriften, sodass wir sicher sein können, dass wir einen der raren Vorkriegs-Peugeots auf deutschem Boden vor uns haben. So gesehen ist die Überschrift durchaus passend...

Michael Schlenger