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Mit dem Peugeot Typ 177 von 1924 von Bayern nach Südfrankreich - ein Reisebericht

Von unserem Peugeot-Vorkriegs-Register-Mitglied Peter Scholz, der sich selbst als „Weltreisender und Lebenskünstler“ bezeichnet, habe ich den folgenden Reisebericht erhalten, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, aber aus Platzgründen etwas gestrafft wiedergebe:
  • "Lieber Herr Kreuz,

    vor 30 Jahren habe ich im Berchtesgadener Land von einem ehemaligen Fremdenlegionär einen Peugeot 177 gekauft, den dieser bei einem Bauern in Andorra gefunden hatte. Es ist eine LKW-Karosserie und ich lasse den Wagen über Sommer immer zu, um ihn als Transportfahrzeug zu benutzen. Wenn es mir hier zu eng wird, fahre ich damit aber auch weiter weg.

    Im Sommer 1989 machte ich meine erste große Reise mit dem Auto – kreuz und quer durch Deutschland bis Flensburg, mit der Fähre nach Göteborg und weiter durch Schweden bis nach Stockholm. Von dort wieder mit der Fähre nach Turku in Finnland und dann weitere 100 Kilometer nach Norden bis Rauma. Dort hatte ich von 1962-65 gearbeitet.

    In den letzten Jahren war ich mehrfach mit dem inzwischen weit über 80 Jahre alten Auto von Traunstein aus im Elsaß zur Weinlese und dabei auch 2 Mal in Lipsheim auf dem Teilemarkt, wo wir uns ja kennen gelernt haben.

    Schon lange hatte ich vor, nach Südfrankreich zu fahre, um eine Bekannte, die ich auf Bali kennen gelernt hatte, zu besuchen. Insgesamt eine Strecke von rund 1.500 Kilometern – ein weiter Weg!

    Am 21.9.2007 machte ich mich um 5 Uhr früh auf den Weg. Zunächst nach Mainz zum Geburtstag meines Bruders – ein Abstecher von weiteren 500 Kilometern. Aber der Peugeot lief und lief. Am 25.9. fuhr ich wieder ins Elsaß und half in Mittelbergesheim bei der Weinlese.

    Am 27. wollte der Peugeot nicht anspringen; also fuhr ich – nachdem ich ihn mit der Kurbel geweckt hatte – zunächst nach Andlau zu einem Freund, der dort eine Werkstatt hat. Der defekte Unterbrecher war schnell getauscht und ich machte mich auf der RN 83 auf den Weg. Autobahnen sind nicht gerade die richtige Umgebung für den Peugeot, aber ich musste da durch. Zu allem Überfluß regnete es und ich musste den Scheibenwischer den ganzen Tag mit der Handkurbel bedienen. Bei Besancon verließ ich die Autobahn und fuhr weiter bis Bourg-en-Bresse, wo ich auf der überdachten Ladefläche die Nacht in einer ruhigen Seitenstraße verbrachte und gut schlief.

    Kaum war es hell, ging es – inzwischen ohne Regen – weiter Richtung Lyon. Dort war erwartungs-gemäß sehr starker Verkehr und erst auf der Höhe von St. Etienne wurde es wieder angenehmer. Ich ließ mir Zeit, bummelte durch die Landschaft mit ihren Burgen und Tälern.

    Über die RN 88 ging es nach Le Puy en Velay, von dort auf der RN 102 nach Brioude, wo ich von Fahren die Nase voll hatte. Nachdem ein schönes Plätzchen mit Aussicht abseits der Straße gefunden war, machte ich es mir mit einer Flasche Elsässer Pinot Noir gemütlich.

    Wieder ein neuer Tag. Über die RN 122 nach Murat und über den Pas de Peyrol. Hier liegt auf rund 1800 Metern schon Schnee. Endlich geht es abwärts nach Aurillac. Mir gefällt es hier im Süden. Viele Passanten winken mir zu, jeder hat Zeit, keine Hektik wie daheim. Die Landschaft hat sich geändert. Häuser aus Bruchstein, mit Schiefer gedeckt. Ich bin begeistert, das ist, was ich gesucht habe. Die vielen Steinbrücken, Viadukte, eine alte Mühle - fast wie vor 300 Jahren.

    Langsam komme ich meinem Ziel näher. Die letzten 10 Kilometer nach Montsaloy mit seinen beiden Torbögen geht es abwärts an den Lot. 16 % Gefälle !! Nun am Ziel: Viellei vie Vallee du Lot – ein kleines Dorf mit Kirche und Schloß, einem Hotel und einem Kaufladen. Da meine Bekannte erst zwei Tage später kommt, bekomme ich den Schlüssel zum Haus vom Pfarrer. Es ist übrigens an die Kirche angebaut und das älteste im Dorf.

    Nach einer Woche mache ich mich auf den Rückweg nach Bayern. Anscheinend merkt mein Peugeot, dass es heimwärts geht. Er läuft und läuft.

    Am Pas de Peyrol ist der Tunnel zwar fertig, aber noch nicht für den Verkehr freigegeben. Also fragte ich die Arbeiter, ob es nicht möglich sei, dem alten Auto den weiten Weg über den Pass zu ersparen. Sie waren begeistert, es wurde ein Foto gemacht, sie wünschten mir einen guten Heimweg und nach 5 Minuten war ich auf der anderen Seite.

    Heimwärts ging’s und bald waren wir nach 14 Tagen und rund 3.800 Kilometern wieder zu Hause in Traunstein.“

    Soweit der Bericht von Peter Scholz. Ich würde mich freuen, gelegentlich auch von anderen Lesern entsprechende Berichte - natürlich gern auch mit Fotos - zur Verfügung gestellt zu bekommen.

    Michael Kreuz