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Solitude Revival 2013 - 19. - 21.7.2013

Hierbei handelt es sich natürlich nicht um Peugeot-spezifische Veranstaltung, aber Erich Reck und ich hatten die erfreuliche Gelegenheit, beim ersten Aufleben des Solituderennens auf der nahezu identischen, 11,4 km langer Strecke, auf der es ab 1935 durchgeführt wurde, als Helfer mit dabei zu sein.

Ich war als "Ordner" im Fahrerlager der Motorrad-Beiwagen-gespanne eingeteilt, Erich zur besonderen Verfügung in der VIP-Betreuung. Obwohl es sich beim Solituderennen ursprünglich um eine Veranstaltung mit Schwerpunkt Motorrad handelte, dominierten bei der Revival die Autos. Allein das Vorkriegsfeld hatte hier über 40 Starter zu bieten. Ich würde mich freuen, wenn beim nächsten Solitude-Revival, das hoffentlich 2015 stattfindet, auch einige Peugeot-Rennwagen der Vorkriegszeit, die wie ich weiß in unseren Reihen zu finden sind, mit dabei wären.





Kurz etwas zur Geschichte der Rennveranstaltung

Die Tradition der legendären Solitude-Rennen begann bereits im Jahr 1903. Bis 1924 wurde dann auf wechselnden Strecken alljährlich ein Bergrennen ausgetragen, ab 1922 auch mit Sport- und Rennwagen. 1925 gab es erstmals ein Rennen 'Rund um die Solitude' über zirka 22 km Rundenlänge, vergleichbar mit dem Nürburgring. Der Rundkurs galt als sehr anspruchsvoll und wurde mit der berühmten Targa Florio in Sizilien verglichen. Von Jahr zu Jahr stieg die Zuschauerzahl an und die Renntage gerieten mitunter zu wahren Volksfesten. Von 1927 bis 1937 fanden nur noch Motorradrennen statt. 1931 wurde die Streckenlänge auf 19 km verkürzt und 1935 ein neuer 11 km langer Rundkurs abseits von Schloss Solitude gefunden, der später der klassische Solitude-Ring der Nachkriegszeit werden sollte.
Das erste Nachkriegsrennen gab es 1949. Die Zuschauer strömten in Scharen. Automobile waren nun auch wieder zugelassen und so begann ein neues Kapitel der Solitude-Renntradition, das glanzvoller denn je werden sollte. Ab 1952 wurde der Großen Preis von Deutschland auf der Solitude ausgetragen. Unglaubliche Zuschauerzahlen von bis nahezu einer halben Million bevölkerten die Renntage der fünfziger Jahre. Formel-Rennwagen wurden zu Anfang der sechziger Jahre immer mehr zur Attraktion. Rennidol Hans Herrmann fuhr einen 1960 auf der Solitude und wurde nur knapp von Graf Trips auf Ferrari geschlagen. 1961 kam erstmals die Formel 1 auf die Solitude. Das Solitude-Rennen 1964 gilt als eine der besten Motorsportveranstaltungen aller Zeiten. Mit Motorradweltmeisterschaftsläufen in allen sechs Klassen und einem Formel 1 Grand Prix in Bestbesetzung bot dieser Renntag eine noch nie gekannte Qualität. Im Jahr 1965 sollte die letzte Veranstaltung auf der Solitude stattfinden. Mit Motorradläufen, Sportwagen und Formel 2 verabschiedete sich der internationale Motorsport aus dem Stuttgarter Wildpark.

... und nun zur Revival 2013 - ich lasse hier zur Abwechslung mal einem "Blogger" von www.langstrecke.org zu Wort kommen, da ich selbst ja gut beschäftigt war und daher vieles nicht sehen konnte:

"Insbesondere die Klasse A der Grand Tourisme- und Renntourenwagen ab 1950 war mit zahlreichen deutschen Rennsport-Klassikern der 60er und 70er, Italo-Sportwagen und einigen brachialen US-GTs besonders stark besetzt. Sehenswert und im deutschsprachigen Raum eine Seltenheit war die große Menge an kompakten Sportwagen und Prototypen aus dem Hause Abarth. Leichtigkeit und Effizienz sind aktueller denn je – weil vieles danach aussieht, dass es bald wieder eine neue Alpine geben wird, wäre ein neuer Abarth-Sportwagen die standesgemäße Antwort aus Italien... Der angekündigte Alfa Romeo Tipo 33 Langheck wurde dagegen leider nicht bei Solitude Revival gesichtet. Überhaupt hätten ein paar mehr große Sportprototypen gut getan. Dafür war das Vorkriegsfeld überaus gut besetzt.

Sicherheit und Disziplin wird bei Solitude Revival groß geschrieben: Bei allen Läufen fuhr das Safety Car stets vorneweg. Einzelne Streckenposten waren mit Laserpistolen zur Überprüfung der Geschwindigkeit ausgestattet – so galt in den Schatten-Kurven beispielsweise Tempo 50. Auch wenn 'Pedal to the metal' lustig sein mag: Solche Vorkehrungen sind richtig, gerade hinsichtlich der kritischen Öffentlichkeit, die es im "Stuttgart 21-Land" zu genüge gibt. Gleichzeitig zeigte sich die Strecke in teilweise schlechtem Zustand – selbst mit dem Straßenauto will man nicht durch die Schlaglöcher im Streckenabschnitt Mahdental fahren (Anmerkung: Die Strasse ist inzwischen instand gesetzt).

Der einzige Kritikpunkt an der Organisation sind die verhältnismäßig langen Pausen zwischen den einzelnen Läufen, weil das Streckensicherungsfahrzeug jeweils den ganzen 12 km langen Kurs abfährt; muss das wirklich nach jedem Lauf sein bzw. könnten sich nicht mehrere Streckensicherungsfahrzeuge die Strecke aufteilen?! Den Beitrag zum Solitude Revival beende ich mit einem Appell: Detailverbesserungen hin oder her – Solitude Revival in seiner aktuellen Form muss weiter gehen! In Leonberg (das ist die Stadt auf der Westseite der Strecke) scheint man das genauso zu sehen, im Stuttgarter Rathaus ist man da weitaus kritischer. In diesem Sinne: bis zum nächsten Mal an der alten Solitude-Rennstrecke, dann vielleicht neben Porsche mit der einen oder anderen zusätzlichen Beteiligung der Klassik-Abteilung eines renommierten Herstellers."

Hier nun meine eigenen Eindrücke: Samstags früh um 7 Uhr stand ich mit den anderen Helfern vor dem ehemaligen Start- und Zielturm der Rennstrecke und wurde eingekleidet. Es gab einen schönen Overall, den wir im Anschluß sogar erwerben konnten. Am Einsatzort wurden wir vom Teamleiter kurz eingewiesen und hatten - in den Zeiten, in denen sich bei den Motorrädern nichts tat - die Möglichkeit, z.B. bei den ersten Streckenposten zu sitzen und Fotos zu machen, an die ich sonst nie gekommen wäre. Ich habe etwa 600 Bilder geschossen, von denen der überwiegende Teil die Vorkriegsrenner zeigt.

Meine Aufgabe bestand darin, die Gespannfahrer über die Startzeiten zu informieren, sie rechtzeitig zum Vorstart zu schicken und dafür zu sorgen, das die Massen von Zuschauern, die sehr interessiert waren, während der Abfahrt der Motorräder aus dem Fahrerlager sich selbst und die Fahrer nicht gefährdeten. Bei Temperaturen von weit über 30 ° C an beiden Tagen wurden wir ständig von "Kurierfahrern", die zwischen den einzelnen Helferstandorten pendelten, mit Getränken versorgt; dank des langärmeligen Overalls schwitzte ich zwar kräftig, mir blieb aber ein Sonnenbrand glücklicherweise erspart. Wir "Ordner" in den Fahrerlagern scheinen unsere Aufgabe gut gelöst zu haben, da ausnahmslos positive Rückmeldungen kamen. Wenn es 2015 eine Neuauflage gibt, bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei.