Peugeot Oldtimer Club - www.vorkriegs-peugeot.de Eine Initiative von Michael Kreuz zur Pflege & Erhalt von Peugeot Oldtimern der Vorkriegszeit. Eine umfangreiche Sammlung von Informationen, Veranstaltungen & more!

Anmelden im Clubbereich

RetroClassics meets Barock - 2010 - 7. Internationaler Concours d'Elegance in Ludwigsburg („Großer Preis von Deutschland")

Unabhängig davon, ob der Zusatztitel nun gerechtfertigt ist oder nicht, handelt es sich neben der Bensberg Classic und den Schloss Dyck Classic Days um eine der wenigen FIVA-A-Concoursveranstaltungen, die Deutschland zu bieten hat. Nicht umsonst wird die Veranstaltung im Park eines der größten europäischen Barockschlösser mit dem Concorso d'Eleganza an der Villa d'Este oder dem Pebble Beach Concours d'Elegance in einer Reihe genannt.

2010 war die Veranstaltung erstmals in den echten Concours d'Elegance und das Festival of Classic Cars unterteilt. Insgesamt waren 230 Fahrzeuge im Wert von sagenhaften 65 Millionen € am Start, davon 60 beim Concours, am dem nur Fahrzeuge bis Baujahr 1960 teilnehmen dürfen, die erstmals in Ludwigsburg antreten. Alle anderen Autos werden den Festival of Classic Cars zugeordnet, wobei auch hier Preise nach FIVA-Reglement vergeben werden. Aus dem Peugeot-Vorkriegs-Register waren dieses Mal lediglich 2 Mitglieder - Peter Seeger mit seinem Typ 172 und ich mit der 402 Limousine - dabei.

Anfang der Woche schauten sich die Teilnehmer mit bangem Blick den Wetterbericht an, der für das erste Juni Wochenende nichts Gutes verhieß. Je näher der Freitag, an dem die Autos angeliefert werden mußten, kam, desto besser wurde aber die Vorhersage.

Ich selbst fuhr, da ich nur ein paar Kilometer von Stuttgart nach Ludwigsburg zu fahren hatte, am Morgen des ersten Veranstaltungstages erst einmal in eine Waschanlage, um den Peugeot 402 vom Staub der letzten, in der Garage verbrachten, Wochen zu befreien. Dabei goss es doch noch in Strömen, der Regen hörte aber schnell wieder auf. Nur das Waschen hätte man sich sparen können. Gegen 13.30 ging es dann auf Achse nach Ludwigsburg, wo ich schon von den DAVC-Freunden erwartet wurde, da ich nicht nur an der Veranstaltung teilnehmen, sondern gleichzeitig auch Standdienst am DAVC-Zelt machen wollte.

Zunächst gab es eine ziemliche Enttäuschung - die dem Festival zugeordneten Oldtimer durften nicht im Schloßpark aufgestellt werden, sondern wurden in den Innenhof umgeleitet, der sich durch seine Kiesflächen zwar zum Ausstellen der Autos eignet, wo es aber auch ziemlich staubig und heiß sein kann und man recht  weit vom Herzen der Veranstaltung entfernt ist. Für meinen Geschmack wurden wir dort auch etwas nachlässig eingewiesen, was vielleicht daran liegt, dass die an sich sehr netten und hilfsbereiten jungen Damen nicht recht wussten, welches Auto in welcher Gruppe anzusiedeln war. Das sollte sich bei der Jurierung noch als recht zeitraubend erweisen, da die Preisrichter nach den einzelnen Autos auf der gesamten Fläche suchen mußten, wodurch der Zeitplan insbesondere am Samstag arg durcheinander kam. Die Problematik fiel dann auch dem Veranstalter auf und vermutlich wird dieser Bereich im nächsten Jahr besser organisiert sein.

Nachdem ich den Wagen wie gewünscht zwischen einem BMW 326 und einem Mercedes 170 V eingeparkt hatte, erfuhr ich den Grund der „Verbannung": Ein Teil der Fläche im Park, auf der in den Vorjahren Oldtimer ausgestellt wurden, wurde für den erstmals durchgeführten Gleichmässigkeitswettbewerb benötigt.

Da ich mich zur Abendveranstaltung noch umziehen und - um gut parken zu können - mit dem 1954er Peugeot 203 kommen wollte, fuhr ich mit der S-Bahn nach Hause. Gegen 17 Uhr war ich wieder auf der Strecke, kam aber leider nur etwa 5 Kilometer weit, da an einer großen Kreuzung genau vor dem Gelände der ehemaligen Messe Killesberg kein Gang mehr zu finden war. Es stellte sich heraus, dass sich das Schaltgestänge an einer Kugelverbindung gelöst hatte. Natürlich war alles Werkzeug im Vorkriegswagen, so dass ich den AvD zu Hilfe rufen mußte. Der junge Mann konnte mit meiner Unterstützung den Schaden notdürftig beheben, vorsichtshalber brachte ich den 203 aber wieder nach Hause, da ich nicht besonders scharf darauf war, eventuell mitten in der Nacht auf dem Rückweg mit diesem Defekt nochmals liegen zu bleiben.

Mit Müh und Not kam ich doch noch rechtzeitig zum Beginn der Abendveranstaltung für Teilnehmer in Ludwigsburg an. Nachdem für das Festival of Classic Cars keine Startgebühr erhoben wurde, kostete die Teilnahme an diesem Abend pro Person incl. aller Getränke und dem kalt-warmen Buffet 20,-- €, was ich als sehr preiswert empfand. Das Abendessen verlief im Kreis von Freunden und Bekannten sehr harmonisch und gegen 22 Uhr bat der Veranstalter auf die Nordterrasse des Schlosses. Dort konnten wir ein schönes Feuerwerk bewundern und den beiden Bier- bzw. Sekt-Bars zusprechen, was für diejenigen, die noch mit dem Auto nach Hause mußten, eine ziemlich harte Charakterprobe darstellte.

Der Samstag begann sehr früh, da ich die Mitteilung bekommen hatte, dass mein Auto zwischen 8 und 10 Uhr von der Jury begutachtet werden sollte. Da ich eigentlich ab 9 Uhr zum DAVC-Standdienst eingeteilt, mußte ich mich vorher noch um einen Vertreter kümmern. Also, ich war bei meinem Auto, wer nicht kam, waren die Juroren... nur gelegentlich erhaschte man einen Blick auf eine umherirrende Jury-Gruppe. Kurz nach 10 Uhr - um 10.30 sollte ich zu Gleichmässigkeitsprüfung in der Klasse Vorkriegsfahrzeuge 1930 - 1945 starten - schnappte ich mir einen der Juroren und schleppte die Preisrichter zu meinem Wagen. Da er gut bekannt ist, war die Prüfung auch nur kurz und ich konnte den Hof Richtung Park verlassen. Dort erfolgte die Einweisung in die Gleichmässigkeitsprüfung: Es waren mit fliegendem Start 2 Runden um den großen Brunnen zu fahren, wobei man sich bei der ersten eine Zeit vorgibt, die man bei der zweiten so genau wie möglich wieder zu treffen hat. Außerdem durfte man eine vorgegebene Mindestzeit nicht unterschreiten, um Raserei zu unterbinden; nach oben war jedoch kein Limit vorgegeben. Als Abschluß gab es dann noch eine Geschicklichkeitsprüfung bei der man so nahe wie möglich an einen Pylon fahren mußte, ohne ihn zu berühren.

Da ich mit meiner Stoppuhr auf Kriegsfuß stehe, fuhr ich im zweiten Gang mit Standgas durch die Prüfung. Das war auch gut so, da ich prompt wieder einmal den falschen Knopf an der Uhr drückte und nicht nur den Schleppzeiger, sondern alles stoppte, womit die Überprüfung der Rundenzeiten sich erledigt hatte. Damit war die Prüfung aus meiner Sicht gelaufen und beim Abstandfahren war ich ganz locker...

Mit dieser Fahrt war mein Programm für den Samstag abgearbeitet und den Rest des Tages verbrachte ich im DAVC-Zelt, wo es zu vielen, sehr interessanten Gesprächen mit Teilnehmern und Besuchern kam.

Am nächsten Morgen ging es etwas geruhsamer zu - um 10 Uhr startete die Picnic-Ausfahrt zum Schloß Solitude, bei der der „Fashion-Award" vergeben wurde. Ca. 40 Fahrzeuge aus den verschiedenen Epochen von den 20er bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts machten sich auf den ungefähr 20 Kilometer langen Weg und kamen bei recht durchwachsenem Wetter beim Schloß an. Alle Besatzungen waren natürlich - der Vorgabe des Wettbewerbs entsprecht - zeittypisch zu ihrem Old- oder Youngtimer gekleidet.

Zunächst sah es aus wie auf einem Parkplatz, da irgendwem wohl gesagt worden war, dass man die Autos nicht auf die große Wiese, auf der die Picnics aufgebaut werden sollten, fahren dürfe.

Nachdem mir nichts in dieser Art gesagt war (man hatte mich einfach durchgewinkt), fuhr ich den 402 kurz entschlossen unter einen der sehr schönen, alten Bäume, die auf der Wiese stehen. Ich hatte den Motor noch nicht wieder abgestellt, als ich sah, dass es nur dieser Aufforderung bedurft hatte; in kürzester Zeit war die Wiese voll mit Oldtimern - und niemand nahm uns das übel.

Nun wurden die Picnic-Arrangements bei den Autos aufgebaut, was die zahlreichen Zuschauer, darunter auch viele asiatische Touristen, sehr freute.

Da meine Frau in Urlaub war, gab ich den „alleinreisenden Herrn Ende der dreißiger Jahre" mit Twotone-Schuhen, Weste, Fliege und Kreissäge. Die karierte Decke war schnell ausgelegt, das zeitgenössische Reisegrammophon mit (Vorkriegs-??)-Jazz-Schellacks und die Voigtländerkamera mit passendem Messingstativ aufgestellt. Als Verpflegung gab es eine Flasche Champagner (da ich ja noch zurück mußte, nur als Attrappe) und einen wunderschönen roten Apfel. Selbstverständlich mußte auch noch etwas Lesestoff her: eine Zeitschrift des Automobil Club Comtois aus dem April 1937 und damit nur unwesentlich älter als der 402.

Vom Veranstalter wurde nun am Schloß Sekt ausgeschenkt, den ich im Silberbecher aus dem Picnic-Korb abholte. Auf dem Weg bewunderte ich die Arrangements der anderen Teilnehmer, die teilweise sehr aufwändig gestaltet waren. In unmittelbarer Umgebung hatten sich gute Bekannte mit weiteren Vorkriegsautos niedergelassen; Tatra, Stutz und zwei Citroen vervollständigten das Bild, „das vielleicht so hätte gewesen sein können...". Nun konnte die Jury - Frau Monika Markert, Diplom-Modedesignerin und Dozentin an der Hochschule Pforzheim - kommen.

Nach der Begutachtung wurde es richtig lustig; wir fünf stellten die Autos noch näher zusammen und warfen das Grammophon an: Jazzmusik, Schlager und Schnulzen der dreißiger Jahre schallten über die Wiese, einige Wagemutige von uns begannen sogar, auf dem schwierigen Boden Jitterbug und ähnliches zu tanzen. Dabei bemerkten wir unter den Bäumen überhaupt nicht, dass es inzwischen kurz anfing, zu regnen. Die Teams auf der Wiese räumten schnell zusammen und machten sich auf den Weg zurück nach Ludwigsburg, wir verbrachten noch eine gute Stunde an der Solitude und wurden auf unzähligen Fotos verewigt.

Zurück in Ludwigsburg wollte ich auf meinen Standplatz fahren, als ich direkt vor der Bühne von aufgeregten Besucher gestoppt wurde. Ich hatte mir einen Platten eingefangen und sorgte für einen weitere Attraktion der Veranstaltung, als ich vor vielen Zuschauern, die alle ihre Kommentare abgaben, den rechten Vorderreifen wechseln mußte. Wie es so ist - der Reservereifen, der vermutlich noch aus den fünfziger Jahren stammt, hatte auch nicht viel Luft, so dass er zunächst einmal an einer nahen Tankstelle aufgepumpt werden mußte. Danach hielt er den Druck aber und ich konnte Abends damit vorsichtig nach Hause fahren.

Während wir noch den Reifen wechselten, übergab mir eine junge Frau einen Zettel mit der Aufforderung, mich zur Prämierung aufzustellen. Meine Frage, was ich den gewonnen habe, konnte sie aber nicht beantworten. Also fuhr ich nicht wieder an meinen Standplatz im Innenhof, sondern gleich zur Aufstellung für die Siegerehrung. Wie üblich gab es ein ziemliches Durcheinander wegen der Reihenfolge, ich konnte aber recht schnell über die Rampe. Dort wurde ich von Petra Klein, Moderatorin beim SWR, die durch die Siegerehrung führte, aufgefordert, auszusteigen, damit mich alle Zuschauer sehen konnten. Zunächst bekam ich einen Pokal als Gewinner des Gleichmässigkeitswettbewerbs der Klasse „Vorkriegsfahrzeuge 1930 - 1945" - daran hatte ich gar nicht mehr gedacht. Als ich wieder einsteigen wollte, wurde ich zurückgehalten - es gab einen zweiten, noch aufwändigeren Pokal als Sieger der Picnic-/Modewards....

Als ich endlich von der Bühne fahren konnte, wurde es auch höchste Zeit, mich beim DAVC-Zelt sehen zu lassen, da ich dort eigentlich schon wieder Dienst hatte. Ich war aber entschuldigt und es gab genügend DAVC-Mitglieder, die Auskünfte geben konnten. Im Zelt wurden meine beiden Pokale ausgiebig gefeiert, nach und nach gesellten sich noch einige weitere Pokale, die an DAVC-Mitglieder gegangen waren, dazu.

Für mich war diese Veranstaltung von der Teilnehmer-Abendveranstaltung bis hin zur Siegerehrung rund herum gelungen. Wer Interesse hat, nächsten Jahr auch einmal in Ludwigsburg mitzumachen, findet demnächst Infos unter www.retro-classics-meets-barock.de. Die Veranstaltung findet voraussichtlich wieder am 2. Juni-Wochenende 2011 statt.

Ach ja, die andere Preise und die Gewinner sind mehr oder weniger an mir vorbeigegangen, da ich ja dauernd beschäftigt war. Mein Favorit für den Best of Show - ein 1949er Delahaye 135 M Cabriolet mit Saoutchik-Karosserie - kam nach einem Alfa Romeo 2500 S aus dem Jahr 1950 auf den zweiten Platz in seiner Gruppe „Post War offen". Hier die Sieger der „großen" Wettbewerbe:

Best of Concours d' Elegance: Mercedes Benz SS 710 Castagna, Baujahr 1929

(Erstbesitz „Roxy" Rothafel)

Best of Festival of Classic Cars: Borgward Isabelle Cabrio, Baujahr 1956

Ein Video zur Veranstaltung finden Sie im Internet bei Oldtimer-TV unter

http://www.oldtimer-tv.com/oldtimer/DE/news/index.php?Seite=368

und die ausführliche Liste der vielen Gewinner unter

http://retro-classics-meets-barock.de/gewinnerliste_2010.html

Wenn Sie über einen Vorkriegspeugeot - egal, ob Motorrad, PKW oder Nutzfahrzeug - verfügen, melden Sie sich bitte bei mir unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , damit ich Sie ins Peugeot-Vorkriegs-Register integrieren kann.

Michael Kreuz

Fotos zu diesem Bericht finden Sie in unserer Bildergalerie