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Messe Motorworld Classics Berlin 2017


Seit 2015 gibt es die Motorworld-Classics-Berlin - meine Frau und ich hatten dieses Jahr erstmals die Möglichkeit, uns auf  dieser Messe umzusehen und Berliner Messeluft zu schnuppern.

Schon als wir am Pre-View.Day Richtung Messe unterwegs waren, machte Sturmtief Xavier mit starken Regenfällen auf sich aufmerksam. Während des Messebesuchs merkten wir dann relativ wenig vom Sturm, lediglich Durchsagen wie „bitte besuchen Sie das Freigelände derzeit vorsorglich nicht" wiesen darauf hin.

Mit rund 40.000 Quadratmetern gehört die Berliner Messe weder zu den großen Veranstaltungen ihrer Art, noch kann sie wie die Rétromobile in Paris oder die Techno Classica in Essen auf ein wesentliches internationales Publikum zählen. Sie ist eine regionale Messe mit einem Einzugsgebiet von über fünf Millionen potentiellen Besuchern. Man kann sich allerdings auch in den Berliner Hallen verirren, nicht weil sie besonders groß sind, sondern weil sie über Zwischengänge und Treppenhäuser verknüpft werden. Wer die Architektur verstanden hatte, konnte sich in rund einer Stunde eine Übersicht verschaffen, für eine genaue Inspektion der Stände und der Ausstellungsobjekte waren dann eher vier bis fünf Stunden nötig.

Das Motto der Motorworld Classics Berlin „Eine ganze Welt im Stil der guten alten Zeiten" ist Programm. Und so konnten die Messebesucher in eine bunte Erlebnisvielfalt eintauchen: angefangen beim Messepersonal, das in historisch wirkenden Kostümen eingekleidet war, über die immer wieder passenden Musikeinlagen bis zu den sympathisch aufgezogenen Ständen und Mitfahrgelegenheiten in Oldtimern oder auf historischen Tandems.

Bei der dritten Auflage der Messe stellte man erstmals eine ganze Welt voller Emotionen und Dynamik auf zwei Rädern die Bühne. Denn sie holte das Motorrad aus dem Schatten des Automobils, hinein ins Rampenlicht: Über acht Jahrzehnte hinweg in der Sonderschau „Legendenstrahl Motorrad" sowie in den Hallen „Maschinenraum" und „Motodrom" stellten Händler und Clubs nicht nur große Zweirad-Klassiker, -Raritäten und -Publikumslieblinge aus. Auch moderne Interpretationen bekannter Customizer verdeutlichten die Vielschichtigkeit des Themas Motorrad.

Wir steuerten zunächst einmal die Halle 12/1 an, in der Clubstände wie DAVC und ASC untergebracht waren. Hier trafen wir einige Bekannte und wurden mit einem Kaffee und „von dir haben wir eben gesprochen" begrüßt. Auf dem ASC-Stand wurde nämlich von unserem Registermitglied Hans Freiling ein „Scheunenfund" – Lion Peugeot Typ VC 3 aus dem Jahr 1911 – präsentiert. Das Auto hat er vor einigen Monaten aus einem Nachlass erworben und festgestellt, dass es nicht der Typ VC2C, der in Papieren stand oder der auf dem Typenschild vermerkte Typ VY3 (den es nie gab) sein konnte, weil der Wagen schon eine Kardanwelle anstatt des Kettenantriebs hatte. Ich konnte dann anhand der Fahrgestellnummer über die mir vorliegende Literatur die richtige Zuordnung vornehmen. Hier in Berlin hatte ich jetzt die Möglichkeit, eine ausführliche Fotodokumentation des nur in 135 Exemplaren gebauten Wagens zu machen.

Während der Messe war eine Jury unterwegs, die „Berliner Bären" in Gold, Silber und Bronze für verschiedene Kategorien vergaben – Originalität, Seltenheit, bester Clubstand etc. Alles aufzuführen würde hier deutlich zu weit führen, aber zwei mehr als verdiente silberne Bären landeten bei Stand des ASC bzw. Hans Freiling. Einmal unter der Kategorie Originalität für den Lion-Peugeot und zum anderen unter der Kategorie Seltenheit für einen ebenfalls von ihm ausgestellten 1918er Milburne Electric – ein aus heutiger Sicht visionäres Elektroauto. Von hier aus dafür nochmals herzliche Glückwünsche an Hans Freiling und den ASC, der wieder einmal den Mut hatte, ganz auf frühe Vorkriegswagen (dritter auf dem Stand war ein Opel von Heidi Hetzer) zu setzen.

Abgerundet wurde die Messe durch „Rennlegenden und –geschichten". Stargast war unumstritten Heidi Hetzer, die ehemalige Autohausbesitzerin, Rallyefahrerin, Visionärin sowie Berliner Original. Sie besuchte mit ihrem Weltumrundungsfahrzeug „Hudo" die Messe und gab mit viel Humor Geschichten ihrer abenteuerlichen Reise von sich, mit denen sie die Besucher begeisterte. Nicht zuletzt dafür erhielt sie von der Jury auch einen Sonderpreis: Den goldenen Bären als die beste „Weltumrunderin".


Auch Hans Herrmann und Strietzel Stuck – beide unumstrittene „AVUS-Legenden" konnten dem Ansturm nach Autogrammen kaum standhalten. Beide waren nach Berlin gekommen, um vor allem über ihre legendären Fahrten auf der AVUS zu erzählen. Die erste ausschließliche Autostraße und erste Autobahn der Welt schrieb als Rennstrecke Geschichte und verläuft räumlich unmittelbar entlang der Berliner Messehallen.

Als wir dann gegen 19 Uhr am Donnerstagabend die Messe verließen, war Xavier über Berlin hinweg gefegt und ein ziemliches Chaos hinterlassen. Es lief im wahrsten Sinn des Wortes nichts mehr – U- und S-Bahn, Busse fuhren nicht und sogar die Taxifahrer weigerten sich, Fahrgäste zu befördern, da die Gefahr wegen umgestürzter Bäume zu hoch sei. Glücklicherweise hatten wir unser Hotel in zu Fuß erreichbarer Entfernung und konnten die ca. 2,5 Kilometer trotz auch hier einiger auf der Straße liegenden Bäume ungefährdet hinter uns bringen.

Letztlich rund 28.500 Fach- und Publikumsbesucher tauchten vom 5. bis 8. Oktober in den historischen Hallen und im Sommergarten unterm Funkturm in eine vielfältige Welt klassischer Mobilität ein. Diese Oldtimermesse hatte in Berlin tatsächlich gefehlt und ich gehe davon aus, dass sie wachsen und gedeihen wird.