Peugeot Oldtimer Club - www.vorkriegs-peugeot.de Eine Initiative von Michael Kreuz zur Pflege & Erhalt von Peugeot Oldtimern der Vorkriegszeit. Eine umfangreiche Sammlung von Informationen, Veranstaltungen & more!

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Peugeot während der Besatzung 1940 – 1944

Im Mai 1940 wurde die SAAP (Société Anonyme des Automobiles Peugeot) von einem Management-Triumvirat geleitet: Präsident war Robert Peugeot, der von seinen Sohn Jean-Pierre Peugeot sowie Maurice Jordan als Geschäftsführer unterstützt wurde. Im Juli 1941 gab Robert Peugeot den Vorstandsvorsitz im Alter von 70 Jahren ab und übertrug ihn auf seinen Sohn Jean-Pierre.

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Sommer 1940 kam die Firma Peugeot unter deutscher Kontrolle. Sie steht unter der Leitung eines Kommissars der Organisation Todt, dem Ingenieur Wilhelm Von. Dem Unternehmen wird zunächst der Bau von Fahrzeugen verboten; der einzige Weg, die Fabrikationsanlagen zu erhalten und die Deportation von Maschinen und Arbeitern nach Deutschland zu vermeiden ist, Fahrzeuge oder Ersatzteile für die Wehrmacht zu produzieren.

Von der Familie Peugeot ging unter der Hand die Anweisung an die Mitarbeiter, nach Möglichkeit die Produktivität zu reduzieren: Verwenden Sie alte Maschinen, organisieren Sie die Verknappung von Rohstoffen usw. Hierduch ging die Fertigungsleistung gegenüber 1939 um 80% zurück. Außerdem wird sabotiert: große Chargen der gefertigten Teile sind aus schlechteren Legierungen gefertigt, Zylinderköpfe werden mit defekten Dichtungen ausgeliefert, Kupplungen schlecht belegt etc.

Ab März 1943 kam das Werk in die Oberhoheit von VW und Ferdinand Porsche übernahm die Leitung (Näheres dazu siehe hier). Nachdem bis 1940 neben Fahrzeugen auch Teile für französische Flugzeuge produziert worden waren, sollte nun eine Teilproduktion für die neue Focke-Wulf TA 154 nach Sochaux verlegt werden. Jean-Pierre Peugeot und sein rechter Arm Maurice Jordan gehen trotz schwerer Bedenken eine strategische Partnerschaft mit der deutschen Armee ein. Nachdem das Werk jedoch Ziel alliierter Bombenangriffe wurde, erledigte sich das Problem der Flugzeugproduktion von allein.

Im gleichen Zeitraum ist die Special Operations Executive (SOE), der britische Geheimdienst, verantwortlich für subversive Aktion. Er schickte einen seiner Agenten, Harry Ree(siehe hier) , in die Region. Letzterer, dessen Pseudonym "Cesar" war, hat den lokalen Widerstand einschliesslich der Sabotage-Netzwerke zu organisieren.

Er nimmt Kontakt mit Pierre Sire auf, der den Wiederstand in den Peugeot-Fabriken koordinierte und Hilfe für französische Gefangene in Deutschland organisierte. Dieser arbeitet eng mit Rodolphe Peugeot zusammen. Er hatte „Cäsar" zunächst in Verdacht, für die Gestapo zu arbeiten, wurde aber aus London durch eine Sendung auf der BBC mit dem vereinbarten Satz "Das Doubs-Tal ist im Sommer schön" beruhigt. Es wird veranlasst, dass Peugeot „Cesar" monatlich 50.000 Franc zur Finanzierung der Resistance-Operationen sowie Pässe und Fahrzeug zur Verfügung stellt.

Dies verhindert aber einen alliierten Bombenangriff in der Nacht vom 15. bis 16. Juli 1943 nicht, als 137 britische Bomber fast 1000 Bomben auf Sochaux werfen. Es kommt im Werk allerdings nicht zu größeren Schäden, weil die Bomber durch starke deutsche Luftabwehr sehr hoch fliegen mußten. Dadurch wurden einerseits durch herrschende starke Winde die Bomben verwehte und andererseits haben die Zielerfasser vermutlich den Schornstein der Brauerei in Sochaux mit denen des Automobilwerks verwechselt.

Es wird nur die mechanische Werkstatt zerstört und die Gießerei beschädigt; Schmieden und Stanzen, die größten Werkstätten der Fabrik, sind nicht betroffen. Allerdings wurden die Wohnviertel der Stadt schwer getroffen: 400 Gebäude werden beschädigt zerstört, rund 1.200 Personen werden obdachlos. Es gibt 120 Tote und 250 Verletzte.

Im September 1943 sind Ferdinand Porsche und sein Schwiegersohn Anton Piëch in Sochaux bzw. Paris, um mit Jean-Pierre Peugeot zu sprechen. Sie erklären, ohne weitere Einzelheiten zu nennen, das unter der Code-Nummer 1144 im Peugeot-Werk der Rumpf einer neuen Maschine herzustellen ist. Tatsächlich handelt es sich um Teile für V1-Raketen. Peugeot versucht, auf Zeit zu spielen und erklärt, dass sie nicht genug Personal haben, um sowohl den laufenden Auftrag für rund 10.000 Lkw DK 5 als auch die Raketenteile zu fertigen. Porsche droht damit, das Werk zu schließen, was eigentlich heißt, Personal und Maschinen in Deutschland einzusetzen. Zu dieser Zeit haben die Engländer schon Luftaufnahmen der V 1 aus Peenemünde, obwohl noch keine auf England abgeschossen war. Man ging davon aus, dass die Raketen von Abschussrampen in Nordfrankreich gestartet werden sollten. Viel mehr war nicht bekannt.

Der Peugeot-Ingenieur Cortelessi, der nach Deutschland zu Volkswagen geschickt war, um die Zusammenarbeit mit dem französisch Werk vorzubereiten, konnte die Pläne der V1 kopieren und sie durch Caesar nach London schicken. Das erlaubt der RAF die Bombardierung des Endmontagewerkes in Fallersleben und verzögerte den Einsatz der V 1 um mehrere Monate. Jordan gelang es, den Bau der V 1- Produktionsanlagen zu verzögern, was dazu führte, dass die Produktion Anfang 1944 in das Konzentrationslager Dora in denTiercelet-Minen im Departement Meurthe-et-Moselle erfolgte.

Diese Informationen werden der Resistance von einem Peugeot-Ingenieur zur Verfügung gestellt, was die englischen Bombardierungen im Franche Comte reduziert. Der lokale Widerstand bekommt den Auftrag, durch Sabotage die militärische Produktion der Fabrik zu behindern. Rodolphe Peugeot erhält von Jean-Pierre Peugeot, trotz Befürchtungen, dass das deutsche Repressalien und eventuell die Verlegung Fabrik nach Deutschland nach sich zieht, den entsprechenden Auftrag.

Innerhalb der Fabrik gibt es von Herbst 1943 bis Frühjahr 1944 mehr als 14 Sabotageakte durch die Resistance. Die Firmenleitung gibt Informationen für effiziente Sabotageakte heraus und stellt Geld und Fahrzeuge für die Resistancekämpfer zur Verfügung. Während dieser Zeit wird der Widerstand in Sochaux von Verhaftungen der Gestapo stark dezimiert und „Caesar" verletzt. Er kann jedoch in die Schweiz entkommen und überlebt den Krieg.

Im März 1944 sollten englische Geschwader die Fabrik in Sochaux doch noch zerstören, da man befürchtete, dass die V 1 Produktion dorthin verlegt würde. „Caesar" organisierte mit der Franche-Comté-Resistance, dass die gesamte Stromversorgung der Fabrik abgeschaltet wurde. Fotos davon gingen nach London, wo man wiederum die Bombardierung stoppte.