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Peugeot Maritime - Lucien Rosengart und das Peugeot Amphicar

Lucien Rosengart ist eher im Automobil- als im Schiffsbau bekannt, betrieb er doch selbst von 1927 bis 1955 ein Automobilwerk. Seine Jugend wurde von Fuhrwerken und dem Beginn des automobilen Zeitalters geprägt. Die Schule besuchte der 1881 in ärmlichen Verhältnissen geborene Junge nur kurz, bereits mit 12 Jahren begann er, als Mechaniker zu arbeiten. Mit 24 Jahren besaß er eine mechanische Werkstatt in Belleville und hatte Patente in den verschiedensten Bereichen angemeldet.

1914 bot er u.A. Ersatzteile für Eisenbahnen und Fahrräder, eine rostfreie Schiffsschraube sowie eine Rakete an, die es ermöglichte, Artilleriegeschosse in der Luft zur Explosion zu bringen. Hierdurch wurde das Militär auf ihn aufmerksam und er bekam öffentliche Aufträge. Ende des ersten Weltkrieges arbeiteten rund 4.500 Beschäftigte in seinen Werken und er half sowohl Citroen als auch Peugeot, drohende Konkurse abzuwehren. 1924 wurde er mit einer Einlage von 5 Mio Franc Peugeot-Grossaktionär.

Der Umgang mit diesen beiden Automobilherstellern brachte ihn auf die Idee, selbst über den Automobilbau nachzudenken, nachdem er ja schon Fahrräder herstellte. 1927 kaufte er die ehemalige Bellanger-Fabrik in Neuilly von Peugeot und stellte in Lizenz den britischen Austin Seven als „Rosengart LR2" her. Zu Beginn der 1930er Jahre stellte er auch Fahrzeuge in Lizenz der deutschen Adlerwerke her, ab 1937 bot er sein elegantes „Supertraction"-Modell an.

Doch zurück zum Schiffsbau: Er liebte den Wassersport und wurde 1929 Mitglied des Cercle de Voile de Chatou, aus dem 1939 der YachtClub Ile de France wurde.

1925 setzte er seinen Einfluß als Peugeot-Aktionär ein, um Robert Peugeot zu überreden, wieder ins Motorbootgeschäft einzusteigen, nachdem die Peugeot-Gruppe vor 1905 bereits Boote mit Motoren von 10 – 16 PS Leistung produziert und hier sogar Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt hatte.

Die Fa. Peugeot Maritime mit Sitz in der Rue Danton 71 in Levallois-Perret wird gegründet und Rosengart deren Direktor. Die Firma ist auf die Herstellung von kleinen Kajütbooten zwischen 5 und 8 Meter Länge mit geringer Motorleistung für Binnengewässer sowie von Kanus spezialisiert. Außerdem werden Bootsmotoren und Außenborder angeboten.
 
Um die neue Marke bekannt zu machen, organisiert Rosengart 1926 zusammen mit Eugene Massieu, Präsident der Vereinigung der Schiffsindustrie, den „1. Salon Nautique" in Paris. Anläßlich des Salon lässt Rosengart vor der Presse eine Flotte von 20 Peugeot-Motorbooten auf der Seine an der Anlegestelle des Schlosses von Viellenes-sur-Seine auffahren.




Zu Werbezwecken wurde sogar ein Amphibienfahrzeug auf Basis einen Peugeot-PKW mit einer Bootskarosserie geschaffen.

Außerdem startete er eine groß angelegte Kampagne für den freien Zugang zum Flusstourismus ohne bürokratische Hemmnisse und gibt auch Führer und Navigationskarten dazu heraus.

Nachdem trotz allem der wirtschaftliche Erfolg ausblieb, entschied Jean Pierre Peugeot III, der kurz zuvor die Konzernleitung von seinem Vater übernommen hatte, in der Wirtschaftskriese Mitte 1928, die Produktion wieder einzustellen. Dies insbesondere auch, weil sich der Konzern weitestgehend auf die Automobilproduktion ausrichten und auf die Erstellung der neuen Hallen für die Produktion des 201 konzentrieren sollte. Wie sich 1929, als der 201 erschien und ein durchschlagender Erfolg wurde, herausstelle, war dies die richtige Entscheidung.