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Die Familie Peugeot

Die protestantische Familie Peugeot ist seit dem 15. bzw. (anderen Quellen zufolge) 16. Jh. in der ostfranzösischen Grafschaft Montbéliard (Franche-Comté) nachgewiesen. Stadt und Grafschaft Montbéliard (dt. auch: Mömpelgard) gehören zwischen 1397 bis 1793 zum Hause Württemberg und stellen somit in dieser Zeit eine evangelische Enklave mitten in katholischem Gebiet dar. Aus diesem Grund finden hier während der Verfolgung unter Ludwig XIV. viele Hugenotten aus Frankreich eine Zuflucht.

Der Konfession nach ist die in der Grafschaft Montbéliard alteingesessene Familie Peugeot lutheranisch. Einzelne ihrer Vertreter bekleiden angesehene kirchliche und kommunale Ämter. Den Grundstein zur Entwicklung als spätere Industriellenfamilie legt Jean-Pierre Peugeot (1734-1814), der seinen vier Söhnen eine in Hérimoncourt gelegene Ölmühle, Färberei und Gerberei hinterlässt. Während die jüngeren Söhne Charles-Christophe und Jean-Jacques sich der Textilindustrie hinwenden und im Ortsteil La Chapotte (Hérimoncourt) niederlassen, beginnen die beiden älteren Söhne Jean-Pierre (1768-1852) und Jean-Frédéric (1770-1822) ab 1810 in Sous-Cratet (ebenfalls Hérimoncourt) auf dem Gelände der ehemaligen Mühle ihres Vaters mit der industriellen Herstellung und Verarbeitung von Stahl. Ihr Teilhaber dabei ist Jacques Maillard-Salins, Spross einer renommierten Uhrenfabrikantenfamilie, wodurch die neugegründete Gesellschaft den Namen Peugeot Frères Aînés et Jacques Maillard-Salins erhält.

1819 wird das wachsende Unternehmen aufgrund erhöhten Kapitalbedarfs und somit der Öffnung für weitere Teilhaber in Peugeot Frères Aînés et Cie umbenannt und produziert bald darauf u.a. Walzeisen, Sägeblätter, Metallfedern für die Uhrenindustrie sowie Korsettstäbe. Zur weiteren Expansion folgt 1825 in Valentigney am Ufer des Doubs die Errichtung einer Produktionsstätte zur Herstellung von Warmwalzen.

Nach Auszahlung der Teilhaber geht das Unternehmen 1832 vollständig in die Hände von Jean-Pierre und Jean-Frédéric Peugeot über und wird seither unter dem Namen Peugeot Frères Aînés geführt. Bald darauf entstehen in Terre-Blanche (Hérimoncourt, 1839) und daraufhin in Beaulieu (Mandeure, 1853) weitere Produktionsstätten. Inzwischen von den Söhnen geleitet, produziert das über mehrere Standorte verteilte Unternehmen so nach kurzer Zeit erfolgreich eine große Palette an qualitativ hochstehenden Werkzeugen für Handwerk, Industrie und Landwirtschaft sowie Bügeleisen, Kaffeemühlen und andere Haushaltsartikel.

1842 kommt es aufgrund von Differenzen zu einer Trennung: Während die Söhne von Jean-Pierre Peugeot – Jules (1811-1889) und Émile Peugeot (1815-1874) – das Unternehmen unter dem Namen Peugeot Frères mit Sitz in Valentigney weiterführen, scheiden ihre Cousins – Fritz, Charles, Jacques und Georges – aus dem gemeinsamen Unternehmen ihrer Väter aus. Zusammen mit den (durch Heirat verwandten) Gebrüdern William, John, Charles und James Jackson gründen sie 1846 im nahegelegenen Pont-de-Roide die Firma Peugeot Aînés et Jackson Frères (ab 1894: Peugeot & Cie.). Während Letztere als Markenzeichen einen Elefanten wählen, ziert bei dem Konkurrenzunternehmen Peugeot Frères nunmehr ein Löwe – Symbol für Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer – das Firmenlogo: Dieser 1847 durch den Goldschmied und Graveur Justin Blazer (Montbéliard) entworfene und 1858 schließlich als Markenzeichen registrierte Löwe wird im Laufe der Zeit mehrfach modifiziert und repräsentiert bis heute die stolze Firmengeschichte.

Ab 1865 übertragen die Brüder Jules und Émile Peugeot die Leitung von Peugeot Frères auf ihre Söhne: Ersterer an Eugène (1844-1907), Letzterer an Armand (1849-1915). Dieser Übergang markiert zugleich eine neue Ära in der Geschichte des Unternehmens – die Zeit der Automobilindustrie: Produziert das von beiden Cousins gemeinsam geführte Unternehmen ab 1881 (anderen Quellen zufolge: ab 1882) zunächst Fahrräder, so folgen ab 1890 (oder 1891) erste Automobile, angetrieben durch Motoren von Daimler. 1891 (oder 1892) ändert das Unternehmen seinen Namen in Les Fils de Peugeot Frères, woraufhin Differenzen über den weiteren Kurs des Unternehmens zur Trennung führen: Eugène Peugeot, welcher der Erfindung des Automobils wenig abgewinnen kann, setzt unter dem bisherigen Firmennamen weiterhin die Produktion von Werkzeugen, Haushaltsgegenständen sowie (teils dennoch motorisierten) Zwei-, Drei- und Vierrädern fort. Sein Cousin Armand Peugeot setzt hingegen ganz auf die Zukunft des Automobils und gründet 1896 die Société des Automobiles Peugeot mit Werken in Audincourt und Lille.

Als 1905 die Nachfolger von Eugène Peugeot – seine Söhne Pierre (1871-1927), Robert (1873-1945) und Jules Peugeot (1882-1959) – ebenfalls motorisierte Fahrzeuge auf den Markt bringen, konkurrenzieren mit Automobiles Peugeot von Armand Peugeot und Lion-Peugeot aus dem Haus Les Fils de Peugeot Frères vorübergehend zwei Peugeot-Marken. 1910 fusionieren beide Unternehmen zur Société des Automobiles et Cycles Peugeot und bilden somit den Grundstein zu dem heutigen, international bedeutsamen Automobilhersteller Peugeot. Bis heute stellt Peugeot unverändert nebst Automobilen auch Fahrräder, Motorroller, bestimmte Maschinen-Typen sowie (mittlerweilen legendäre) Pfeffer- und Kaffeemühlen her.

Seinen guten Ruf verdankt Peugeot nicht zuletzt dem vorbildlichen sozialen Umgang mit seinen Angestellten – für die Zeit des 19. und 20. Jahrhunderts eine wahre Pionierleistung, die im Fall von Peugeot u.a. in einem betont christlichen Ethos begründet ist: Nebst der Errichtung eines Hospitals zur kostenlosen Behandlung von Mitarbeitern und deren Familien, verbilligten Wohnungen für die Angestellten sowie Modellen zur sozialen Absicherung im Rentenalter, Krankheits- und Todesfall führt Peugeot in seinen Werken schon früh den auf zehn Stunden begrenzten Arbeitstag ein.

Quelle: Bibliothek für Hugenottengeschichte (BfHG)