Peugeot Oldtimer Club - www.vorkriegs-peugeot.de Eine Initiative von Michael Kreuz zur Pflege & Erhalt von Peugeot Oldtimern der Vorkriegszeit. Eine umfangreiche Sammlung von Informationen, Veranstaltungen & more!

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Internationales Peugeot Meeting 2010 in Sochaux

Vom 13. – 16. Mai 2010 fand das diesjährige IPM beim Peugeotmuseum statt.

Dem Ruf der „L'Aventure Peugeot" - des werksunterstützten Dachverbandes der Peugeotclubs - kamen knapp 500 Peugeot-Old- und Youngtimer – somit rund 1.000 Teilnehmer - aus ganz Europa nach Sochaux. Wir konnten Kennzeichen aus Finnland, Schweden und Norwegen, aus den Niederlanden und Belgien, aus Österreich und der Schweiz sowie aus Italien und Spanien erkennen. Mengenmäßig das größte Teilnehmerkontingent stellten natürlich erwartungsgemäß die Franzosen. Der Anteil der Vorkriegsfahrzeuge war mit etwa 80 Exemplaren erfreulicherweise recht groß. Das „Deutsche Peugeot Vorkriegs Register" war mit sieben Mitgliedern (2 x Peugeot 202, 5 x Peugeot 402 in den verschiedenen Varianten) sehr gut vertreten.

Anfang der Woche sah der Wetterbericht für das „Himmelfahrtswochenende" überhaupt nicht gut aus – es war für ganz Süddeutschland und die angrenzenden Regionen vom Elsaß ausgehender Dauerregen und Temperaturen um 10° C angesagt. Kurz vor dem Ziel klarte es jedoch auf und bei der Einfahrt auf den Parkplatz des Museums war es zwar kalt aber trocken.

Der Ankunftstag stand für Gespräche mit Bekannten, den in französisch, englisch, italienisch sowie deutsch durchgeführten Briefings und die Teilnahme an der Mitgliederversammlung der L'Aventure Peugeot zur Verfügung. Er endete entspannt mit einem Imbis incl. Getränken im Museum, wo wir Zeit hatten, Freunde zu begrüßen und Benzingespräche zu führen.

Am Freitag sollte ab 7.30 gestartet werden, da eine lange Ausfahrt von rund 220 Kilometer anstand. Da unser Shuttlebus etwas zu spät kam, bot sich uns ein Blick auf ein totales Chaos – scheinbar fuhr jeder trotz der Vorgabe, das nach den Startnummern, die vom ältesten Fahrzeug (einem Lion- Peugeot VC von 1907) an aufsteigend vergeben waren, zu starten sei, los, wie es ihm gerade in den Sinn kam; Typ 177 und 173 hinter 205, 203 mit 402 und 504 lustig gemischt usw.

Nachdem der geplante geordnete Start sowieso nicht mehr umsetzbar war, starteten auch wir so schnell wie möglich und hatten das Glück, in einer Gruppe von etwa 6 Vorkriegsfahrzeugen zu sein, was einerseits ein ziemlich gleichmäßiges Fahren und andererseits sehr schöne Fotos aus dem Auto heraus möglich machte.

Von Sochaux aus ging es Richtung Belfort und dort durch die Innenstadt, was sich leider zu einem kapitalen Stau aufschaukelte. Auf der RN 83 kamen wir danach gut voran, wurden allerdings auf der in weiten Strecken 4-spurig ausgebauten Straße, die keine rechten „Oldtimer-Fahr-Gefühle" aufkommen lassen wollte, von den Youngtimern gleich reihenweise überholt.

Als wir - trotz recht zügiger Fahrweise – in Eguisheim, unserer ersten Station, ankamen, waren bereits alle Parkplätze besetzt und wir mussten die Fahrzeuge etwas außerhalb abstellen. Der Spaziergang durch das malerische Dorf an vielen, vielen klassischen Peugeots vorbei war recht schön und auf dem Marktplatz gab es nach kurzer Wartezeit Guglhupf und elsässischen Wein als kleine Stärkung.

Als wir wieder starteten, leitete uns das Roadbook zunächst durch die Weinberge und anschließend die Hänge der Vogesen hinauf. Über sehr schöne, kurvige und teilweise steile Nebenstraßen ging es durch dichten Wald in einem großen Bogen nach Soultzmatt (bekannt vom dortigen Teilemarkt im April) und dann wieder auf die N 83 Richtung Mulhouse, wo wir problemlos auf dem Parkplatz des Schlumpfmuseums ankamen.

Noch vor dem Eingang wurde ich vom Direktor des Museums, den ich von der RetroClassics in Stuttgart kenne, begrüßt und dem Kurator vorgestellt. Nach dem zünftigen Mittagessen im Museum hatten wir Zeit, uns in der Sammlung umzuschauen.

Gegen 15 Uhr machten wir uns dann wieder auf den Weg. In einer Gruppe von sieben oder acht 20er/30er-Jahre-Wagen ging es zunächst auf einer innerstädtischen Autobahn Richtung Altkirch und dann auf kleinen, sehr schönen Nebenstraßen durch den Sundgau wieder zurück nach Sochaux.

Lobend möchte ich hier die vielen freiwilligen Helfer, die an der Strecke an allen Punkten, an denen man eventuell hätte falsch fahren können, eingesetzt waren und im Bedarfsfall für uns auch den Verkehr anhielten, erwähnen. Ein herzliches Dankeschön dafür von mir.

Um 20 Uhr begann das Fest der Eröffnung der Erweiterung des Museums um 3.500 m² dort. Nach Festreden von verschiedenen Mitgliedern der Familie Peugeot, Herrn Loic Henuil, dem Direktor des Museums und mehreren offiziellen Vertretern der Stadt und der Region gab es an verschiedenen Stellen im Museum ein großes Buffet. Nachdem sich die Menge in der Fläche etwas verteilte, war es auch möglich, die erweiterten Räume des Museums anzuschauen. Hier haben einerseits die bisher vernachlässigten Nutzfahrzeuge, ziemlich durchgehend von Beginn der Produktion Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 70er Jahre, und andererseits Rennsportfahrzeuge eine Heimat gefunden.

Am Samstagmorgen hatten wir etwas mehr Ruhe, da erst gegen 9.30 Uhr gestartet wurde und eine wesentlich kürzere Runde zu fahren war.

Zunächst ging es auf verschlungenen Wegen kreuz und quer durch das Peugeot-Werk, wo wir von den Mitarbeitern viel Applaus ernteten. Dann fuhren wir in Kolonne zum Testgelände in Belchamps. Nach dem Parken wurden wir mit Bussen zum Herzstück der Anlage gebracht. Leider durften wir die Teststrecke nicht, wie noch im Jahr 2000, im eigenen Wagen befahren; statt dessen hatten wir Gelegenheit, verschiedene Rekord-, Renn- und Rallyefahrzeuge aus nächster Nähe zu bewundern und auch in Aktion zu sehen. Mich haben besonders der 301 Miramar, ein originaler Dar'lMat Roadster mit LeMans-Geschichte und der 404-Diesel-Rekordwagen beeindruckt. Außerdem waren ein 504, der bei der East African Rallye eingesetzt war, ein 205 Turbo 16 und ein Formelwagen zu bestaunen.

Von Belchamps aus ging zum ältesten Werk der Fa. Peugeot in Terre Blanche. Dieses Werk ist inzwischen aus der Produktion herausgenommen und beherbergt die Peugeot-Archive sowie die „Reserven" des Museums. Hier merkte man, dass man sich im persönlichen Bereich von Herrn Thiery Peugeot befand, der als aktiver Aufsichtsratsvorsitzender des PSA-Konzerns ein erklärter Liebhaber von Vorkriegsfahrzeugen ist und sich die Teilnahme an keinem Internationalen Peugeotreffen entgehen läßt. Erstmals bei der Veranstaltung wurde zwischen Vor- und Nachkriegsfahrzeugen unterschieden – wir durften bis vor die Tür fahren, während die Nachkriegswagen auf einen großen Parkplatz eingewiesen wurden und ihre Fahrer einige hundert Meter bis zum Werk laufen mussten.

Zunächst kamen wir in den auch der Öffentlichkeit zugänglichem Empfangsbereich, in dem viele Dokumente aus der Firmengeschichte von Peugeot einsehbar sind. Von dort aus durften wir zunächst in einen Halle mit Hochregalen, in denen in nächster Zukunft die Fahrzeuge, die vom Museum z.B. für Ausstellungen zur Verfügung gestellt werden können, auf Paletten gelagert werden sollen. Einige wenige, sowohl Oldtimer als auch Showcars, hatten ihren Platz dort schon gefunden und standen in teilweise schwindelnder Höhe.

Für uns noch viel interessanter waren aber die nächsten Hallen, in denen sich die „Reserven" des Museums befanden. Dabei handelt es sich um eine Vielzahl bisher weitgehend unrestaurierter Fahrzeuge in allen denkbaren Erhaltungszuständen – von durchaus einsatzbereit bis hin zu Fragmenten. Hier steht alles kreuz und quer durcheinander, von Wagen aus den frühen zwanziger Jahren über die 01 und 02 – Serien (u.a. auch ein 601 mit einer Karosserie, die ich nie vorher gesehen hatte sowie ein ganz früher 402 Coach) incl. diverser dazugehöriger Nutzfahrzeuge (z.B. mehrere DMA, ein MK-Boulangerie, ein 402-Camionette) bis hin zu Autos aus den 60er Jahren. Hier hatten wir die Möglichkeit, auch die Motoren und die – häufig in überaus desolatem Zustand befindlichen, aber noch originalen – Innenbereiche der Wagen aus nächster Nähe anzuschauen und fotographisch zu dokumentieren. Es war sehr interessant zu sehen, wie sich vorwiegend Männer aller Altersstufen ohne Rücksicht darauf, sich schmutzig zu machen, durch engste Gänge zwischen den Autos durchquetschten.

Zwischen den Restaurationsobjekten sowie in einer eigenen Halle stehen mindestens 40 verschiedene Showcars, von denen mir viele bisher unbekannt waren, andere aber schon einen gewissen Ruhm erlangt haben. Um nur einen Namen zu nennen: Hoggar. Hier in der letzten Ecke fand ich auch ein Auto, das mir bisher nur von Fotos her ein Begriff war: einen 201 Kegress, der – ähnlich den wesentlich bekannteren Expeditionsfahrzeugen der Fa. Citroen – mit Ketten ausgestattet und für militärische Einsätze vorgesehen war, aber ein Einzelstück blieb. Ich hoffe, dieses Fahrzeug in den nächsten Jahren einmal auf der RetroClassics in Stuttgart zeigen zu können.

In diesen Hallen gab es noch vieles mehr zu entdecken, so dass der Aufenthalt in Terre Blanche aus meiner Sicht der Höhepunkt des Treffens war. Ich persönlich habe hier mehr Fotos gemacht als während der ganzen restlichen Veranstaltung und denke, dass es vielen Teilnehmern ähnlich ergangen ist.

Nachdem wir uns widerstrebend losgerissen hatten, ging es zurück zum Museum, wo wir an einem sehr gut sortierten Buffet mit Speis und Trank versorgt wurden. Anschliessend bestand ja nach Interesse die Möglichkeit, das neue Buch „Peugeot - ausgewählte Momente" vom Autor, Herrn Jean Louis Loubet signieren zu lassen (das Buch ist auch in Deutsch über den Shop des Peugeotmuseums erhältlich) sich im Museum umzusehen oder Ersatzteile zu erwerben.

Um 20 Uhr waren wir wieder in Belfort, wo der Galaabend in einer neu erbauten Festhalle stattfand. Vor der Halle waren 10 Peugeots aus 10 Jahrzehnten (von ca. 1910 über die 20er und 30er Jahre bis hin zum neusten RCZ) aufgestellt, denen jeweils eine hübsche junge Dame in der Mode der Zeit zugeordnet war. Eine sehr schöne Idee, die viel Zuspruch fand.

Bis ca. 1000 Gäste ihre Plätze gefunden hatten, dauert es naturgemäß einige Zeit.

Die Sitzordnung war gemischt, was schnell zu neuen Bekanntschaften führte, andererseits wiederum die Kommunikation mit Bekannten nur schwierig möglich machte, da man sich in der Festhalle schnell aus den Augen verlor.

Beim festlichen Dreigänge-Menue verging die Zeit schnell und die anschließenden Ansprachen waren recht kurz gehalten. Hierbei wurde auch bekanntgegeben, dass das Internationale Treffen 2011 von Italien ausgerichtet und voraussichtlich in San Giminano in der Toscana stattfinden wird. Der genaue Termin soll bis Ende 2010 bekanntgegeben werden. Das Unterhaltungsprogramm bot für jeden etwas und so waren wir erstaunt, dass es schon Mitternacht war und unsere Shuttlebusse warteten.

Am Sonntag Morgen war Abschiedsstimmung angesagt. Gegen 10 Uhr waren wir beim Museum, um unseren 402 zu verladen. Einige Bekannte, die weite Wege nach Hause hatten, waren schon weg, so dass wir uns nicht verabschieden konnten. Mit anderen machten wir noch eine Runde durchs Museum und fuhren dann gegen Mittag etwas wehmütig Richtung Stuttgart zurück.

Achtung: 2012 wird das Internationale Treffen in Deutschland stattfinden. Näheres dazu wird zu gegebener Zeit noch bekannt gegeben. Ich würde mich freuen, wenn wir dann einen sehr starken Anteil an Vorkriegsfahrzeugen dabei hätten. Interessenetn wenden sich bitte per Mail an mich: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Michael Kreuz

 

Fotos siehe Bildergalerie