Peugeot Oldtimer Club - www.vorkriegs-peugeot.de Eine Initiative von Michael Kreuz zur Pflege & Erhalt von Peugeot Oldtimern der Vorkriegszeit. Eine umfangreiche Sammlung von Informationen, Veranstaltungen & more!

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Internationales Peugeottreffen in Salsomaggiore Terme vom 13. - 15.5.2011

Nach der sehr gut organisierten Anmeldephase - einziges Manko war, dass die avisierte Anmeldung über die Homepage nicht funktionierte - waren die Erwartungen an den italienischen Peugeotclub hoch gesteckt; um es vorab zu sagen: sie wurden voll erfüllt.

Im Vorfeld hatte ich mir ausgerechnet, dass die kürzeste Route von Stuttgart nach Salsomaggiore Terme (der Kurort liegt zwischen Piacenza und Parma ca. 12 Kilometer südlich der Autobahn Mailand - Bologna) durch die Schweiz führt. Hier sind es rund 620 km, über München, Innsbruck und den Brenner rund 200 km weiter, da ich mit dem schweren Gespann nach Möglichkeit auf Autobahnen und Schnellstraßen bleiben wollte. Durch diese Entfernungsdifferenz rechnete sich dann auch die Schweizer Mautgebühr, für die sowohl für das Zugfahrzeug als auch für den Hänger je 34 € aufgerufen wurden. Netterweise verzichten die Schweizer wenigstens darauf, auch noch Maut für das Auto auf dem Anhänger zu verlangen ...

Etwas durch eine gegenüber unserem Haus befindliche Baustelle behindert, lud ich den 402 am Morgen des 10.5. bei schönsten Wetter auf und gegen 10 Uhr konnten wir losfahren. Auf der A 81 ging bis zum Schweizer Zoll alles gut. Hier gab es eine kurze Diskussion zum Oldtimer, als der Zöllner fragte, ob das Auto „eingelöst" sei, womit ich nicht wirklich etwas anfangen konnte. Es stellte sich dann heraus, dass er einen Nachweis über die Zulassung sehen wollte, da ich das vordere Kennzeichen abmontiert hatte.

Weiter ging es über Zürich, am Zürich-, Zuger- und Vierwaldstätter See entlang nach Altdorf Von dort nach Andermatt und durch den Gotthardtunnel ins Tessin. Nachdem es inzwischen ca. 17.30 Uhr war, wurde es Zeit, nach einem Nachtquartier Ausschau zu halten. In Bellinzona stellte sich das als recht schwierig heraus, da bei den Hotels nirgends ein ausreichender Stellplatz für das Gespann zur Verfügung stand. Auf kleinen Sträßchen fuhren wir dann in der Hoffnung, doch noch etwas zu finden, Richtung Lugano weiter. Im Vorort Vezia fanden wir, was wir suchten: Ein Motel mit gut zugänglichem Parkplatz und sogar einer Garage fürs Zugfahrzeug, so dass nicht alles Gepäck ausgeladen werden mußte.

Nach einer angenehmen Nacht ging es nach einem guten Frühstück weiter. Mit dem knapp 12 Meter langen und über 2 Meter breiten Gespann durch Lugano zu fahren, war eine recht knifflige Angelegenheit, die anschließende Strecke direkt am Ufer des Lago Lugano entlang entschädigte uns aber dafür. Kurz danach waren wir wieder auf der Autobahn. Die Zollabfertigung in Chiasso verlief problemlos und wir rollten weiter über die E 35 Richtung Milano. Auf den italienischen Autobahnen - fast durchweg dreispurig - fuhr sich sehr angenehm in gutem Einvernehmen mit den LKW.

Am frühen Nachmittag kamen wir in Salsomaggiore Terme an und bezogen zunächst einmal die für 8 Tage gemietete kleine Ferienwohnung, die ca. 4 km außerhalb lag. Nach dem Abladen des Oldies ließen wir Zugfahrzeug und Hänger dort stehen und brachen mit dem 402 zu einer Erkundungstour in den Ort auf. Wir hatten noch keine volle Runde gedreht, als uns ein Peugeot 4007 blinkend und hupend entgegenkam - Gothmanns aus Hamburg waren ebenfalls etwas früher angereist. Man kann doch wirklich nirgends unauffällig hin, ohne sofort erkannt zu werden ;-)). Egon und Ilse hatten gleich ein Zimmer im 4-Sterne-Grand-Hotel Regina bezogen, wo auch wir während der Veranstaltung untergebracht waren. Zusammen fuhren wir zu unserer Ferienwohnung und tauschten den 402 gegen das Zugfahrzeug aus, um zum gemeinsamen Abendessen zu fahren.

Als wir danach gegen 22.30 Uhr wieder zur Wohnung zurückkamen, erwartete uns eine Überraschung. An der Tür klebte ein Zettel von unseren Vermietern mit dem Hinweis, dass das „alte Auto Benzin verliert und man um 20 Uhr einen Topf drunter gestellt habe". Der war im übrigen inzwischen fast voll. Sofort wurde nach der Ursache gefandet und sie auch schnell gefunden. Der Wagen stand vollgetankt auf dem stark abschüssigen Parkplatz; vermutlich war die Membran der Benzinpumpe nicht mehr in Ordnung und durch den Druck aus dem höher liegenden Tank lief der Treibstoff hier aus. Nachdem ich dem Wagen als Erstmaßnahme umgedreht hatte, hörte das Tropfen schlagartig auf und ich ließ das Auto so stehen.

Den Donnerstag nutzten meine Frau und ich, um uns das ca. 25 km entfernte Städtchen Parma anzuschauen. Abends trafen wir uns wieder mit Gothmanns und einigen weiteren inzwischen angekommenen Teilnehmern. Während wir mit Blick auf die Straße aßen, liefen immer mehr Teams in Salsomaggiore ein, darunter auch Dieter und Angelika Weishaupt und Uwe und Heidrun Czernay.

Am Freitag früh war es dann an der Zeit, uns für die Veranstaltung anzumelden. Die Sachen fürs Wochenende kamen in den 402 und alles war zur Fahrt in den Ort bereit - nur unser Auto wollte nicht. Da der Motor jetzt viel höher stand als der Tank, war er trocken gefallen und bekam kein Benzin ... Zusammen mit dem Mieter einer weiteren Ferienwohnung schleppte ich den Oldi mit dem Zugfahrzeug auf die Strasse, wo er in der Waagerechten sofort ansprang.

Zunächst fuhren wir zum Hotel, wo wir das Auto unter polizeilicher Aufsicht in die Fußgängerzone stellten und unser Zimmer bezogen. Peugeot 402 vor dem HotelDann holten auch Gothmanns, Neubauers und das Team Günther Ladusch/Werner Schumann ihre Autos, um Fotos direkt vor dem 1911 gebauten Luxushotel zu machen. Danach machten wir mit den 4 Wagen eine kleine Ausfahrt von etwa 50 Kilometer in die südlich gelegenen Berge; Gothmanns hatten den Donnerstag zu einer Erkundungstour genutzt und einen wunderbaren Landgasthof entdeckt, wo wir köstlich zu Mittag essen konnten. Auf dem Rückweg machten wir noch Fotos der Autos vor einer kleinen Burg. Zurück in Salsomaggiore stellten wir die Oldtimer auf den Sammelparkplatz und begrüßten weitere ankommende Teilnehmer. Aus Sochaux waren drei große Transporter eingetroffen, mit denen viele Museumsautos, die vorwiegende italienischen Journalisten zur Verfügung gestellt wurden, angekommen waren.

Nach der Registration in der „Terme Berzieri" - einem bombastischen Jugendstilbau aus dem Jahr 1923 -, bei der die Fahrtunterlagen usw. übergeben wurden, konnten wir gleich zum Begrüßungsempfang mit Sekt und Häppchen (u.a. einem ganzen Laib Gran Padano) gehen. Hier stellten wir anhand der Teilnehmerliste fest, dass mehr Mitglieder des Vorkriegsregisters (wenn auch nicht alle mit den ganz alten Autos) da waren, als gedacht:

Günther Ladusch/Werner Schumann Peugeot 202 Cabriolet

Dieter + Angelika Weishaupt Peugeot 202 Cabriolimousine

Uwe + Heidun Czernay Peugeot 202

Egon + Ilse Gothmann Peugeot 402 B

Michael + Claudine Kreuz Peugeot 402

Stefan Harig Peugeot 203 A

Thomas Hess (CH) Peugeot 403

Heiner und Inge Neubauer Peugeot 504

Fredi Vollenweider (CH) Peugeot 504

Thomas Habegger (CH) Peugeot 505

Insgesamt also 10 Teams aus unserem grenzübergreifenden Club; die rein deutsche Fraktion - vorwiegend bestehend aus Mitgliedern des 504 CC-Clubs, des Vorkriegsregisters sowie einer Abordnung von Peugeot Deutschland - stellte mit 16 Teams 10 % des ganzen Starterfeldes, das aus 163 Fahrzeugen bestand.

Nächster Programmpunkt war die offizielle Begrüßung mit Fahrereinweisung usw., die sich etwas hinzog, da alles französisch gesagt und dann in englisch und italienisch übersetzt wurde. Ein kleiner Wermutstropfen war, dass wieder einmal Deutsch unter den Tisch fiel, obwohl die Deutschsprachigen (A, CH, D und Teile von BeNeLux) die bei weitem stärkste Teilnehmergruppe stellten. Anschließend ging es direkt zum Abendbuffet, wo wir den Tag mit vielen Gesprächen ausklingen ließen.

Am Samstag früh ging es um 8.30 Uhr zum Startplatz vor der Terme Berzeri. Die Wagen wurden strikt nach den Startnummern auf einem roten Teppich durch einen Bogen gefahren. Die aktuelle „Miss Italia", Signorina Francesca Testasecca, die die gesamte Veranstaltung begleitete, gab für jedes Auto den Start frei.

Nachdem unser 402 bei der Ausfahrt am Freitag völlig problemlos gelaufen war, starteten wir mit einem sehr guten Gefühl. Leider hielt das nicht lange an, denn schon nach knapp 10 Kilometern verlor der Wagen schlagartig Leistung und gab alarmierende Geräusche von sich.

Unserer Spezialist Dieter Weishaupt stellte fest, dass die Kopfdichtung durch war und nur noch zwei Zylinder liefen. Damit war die Fahrt für uns vorbei und wir riefen den Abschlepper, der uns zurück nach Salsomaggiore brachte. Von dort brachte uns der Servicewagen zu unserer Ferienwohnung, wo wir in den Volvo umstiegen und dem Feld hinterher fuhren. Wir holten es in Fontanello wieder ein, vom Programm hatten wir lediglich die Schlossbesichtigung verpasst.

Wie sich dort herausstellte, waren wir nicht die einzigen Pechvögel. An fast der gleichen Stelle wie wir fiel der 402 von Gothmanns mit einer gebrochenen Keilriemenscheibe aus, was auch für dieses Auto das „aus" für die Veranstaltung bedeutete, da kurzfristig kein Ersatzteil beschaffbar war. Scheinbar waren unsere beiden Wagen die einzigen Ausfälle während der gesamten Veranstaltung.

Nach dem Mittagessen im Park des Restaurants „Villa" ging es weiter nach Busseto, dem Geburtsort von Guiseppe Verdi. Dort hatten wir Gelegenheit, im Teatro Verdi eine ca. 1 stündige musikalische Darbietung mit Auszügen aus Verdis Werken (Rigoletto, Nabucco usw.) zu erleben. Beim anschließenden Kaffee ergaben sich wieder sehr viele Gespräche und wir Pechvögel wurden ausgiebig bedauert.

Individuell ging es von Busseto zurück nach Salsomaggiore, wo wir ausreichend Zeit hatten, uns auf die Abendgala vorzubereiten. Diese fand nicht im Hotel statt, sondern im äußerlich ziemlich unspektakulären Art Deco- Bau des „Centro Congressi", dem ehemaligen „Grand Hotel des Termes" .

Zunächst gab es einen Stehempfang mit Aperitif im „Cariatidi-Saal", wunderschön im ausgehenden Jugendstil/beginnenden Art Deco ausgemalt, dann ging es gemeinsam in den „Saal Moresco" (gebaut 1925) der einen wirklich umhaut. Es handelt sich um einen der spektakulärsten Art-Deco-Räume in Italien; ob es im deutschen Bereich überhaupt etwas vergleichbar ausuferndes gibt, wage ich zu bezweifeln. Begrüßt wurden wir von der Geschäftsführerin der L'Aventure Peugeot, Mdme. Dubois und den Herren Christian und Thierry Peugeot. Xavier Peugeot, derzeitiger Präsident der L'Aventure, war leider verhindert.

Nach dem 5 - Gänge - Menü wurde es noch mal spannend, da der Ausrichter des nächsten Internationalen Peugeottreffens von Thierry Peugeot bekannt gegeben wurde:

Nach 2002 wird die Veranstaltung 2012 - zum 10 jährigen Jubiläum der Amicale Peugeot Deutschland - zum zweiten Mal in Deutschland stattfinden. Zeitpunkt und Ort stehen noch nicht genau fest, es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Veranstaltung im Bereich des Weltkulturerbes Mittelrheintal - als Großraum Koblenz - stattfindet.

War die Veranstaltung bisher bei allerbestem Oldtimerwetter abgelaufen, regnete es am Sonntag früh in Strömen. Die wenigen Schirme, die man an der Hotelrezeption ausleihen konnte, waren heiß begehrt, um die 500 Meter zum Parkplatz zu kommen und die Autos zum Verladen des Gepäcks zu holen. Über Lugagnano und Castell'Arquato, eine mittelalterliche Festungsstadt im Arda-Tal, ging es zum Castello di Paderna. Erbaut im Jahr 1453 wird das sehr gut erhaltene Castell heute als landwirtschaftlicher Betrieb und Restaurant für große Empfänge genutzt.

Die Oldies wurden gegen 11.30 Uhr auf einer Wiese abgestellt und wir wurden zunächst zum Empfang mit Kaffee oder wahlweise kalten Getränken unter den Arkaden des Innenhofes geladen. Dort hatte man auch Gelegenheit, landwirtschaftliche Produkte der Region wie Wein, Parmaschinken und Parmesan etc. als Mitbringsel zu erwerben. Zwischenzeitlich klarte es auf und die Sonne schien wieder. Es wurde nochmals rustikal mit Schinken, Käse und Wein gemeinsam zu Mittag gegessen, danach kam es zur großen Verabschiedung, da die meisten Teilnehmer noch am Sonntag nach Hause wollten.

Da wir noch einige Tage Urlaub hatten, fuhren wir mit Czernays, die inzwischen für die restlichen Tage des Aufenthaltes bei unseren Vermietern ebenfalls eine Ferienwohnung bekommen hatten, zusammen über Castell'Arquato zurück nach Salsomaggiore. In den nächsten Tagen besuchten wir zusammen Modena. Czernays fuhren einen Tag nach Pisa den wir für eine Rundtour in die Berge des ligurischen Apennin durch das Arda- und Trebbiatal nach Piazenca nutzten. Der letzte Tag des Urlaubs wurde für Einkäufe und die Vorbereitungen für die Rückreise genutzt.

Eigentlich wollten wir zumindest ein Stück zusammen zurückfahren, aber schon kurz vor Mailand hatten wir uns bei einer Raststätte verloren. Ich kam dann auf die tolle Idee, nicht durch den langen Gotthardttunnel zurückzufahren, sondern durch den Bernhardino-Tunnel. Das ging auch ganz gut, solange die Straße relativ eben verlief. Beim Anstieg, der etwas 14 Kilometer lang ist, kochte mein Zugfahrzeug allerdings plötzlich. Wir ließen den Volvo abkühlen und fuhren weiter, kamen aber nur etwa 2 Kilometer bis zum nächsten Nothalt, da war er schon wieder zu heiß.

So ging es bis kurz vor dem Tunnel weiter - 1,5 - 2 km fahren, abkühlen ... Dann verließ mich der Mut und wir riefen einen Helfer von Schweizerischen Touring Club. Der schleppte Zugfahrzeug und Hänger zunächst zusammen durch den Tunnel. Auf dem dahinterliegenden großen Parkplatz wurde eine Diagnose durchgeführt und festgestellt, dass der Thermostat defekt war. Vor Ort wurde er ausgebaut und wir konnten zur nächsten Volvowerkstatt weiterfahren.

Der TSC-Mann hatte den Weg gut beschrieben, der Ort war so klein, dass er nicht auf meiner Karte erschien. Kurz nach dem Ortseingang kam mir ein Topolino entgegen, dem ich winkte. Der Fahrer hielt sofort an und zeigte uns dann den Weg zur Volvowerkstatt; als Präsident des örtlichen Oldtimerclubs begutachtete er dort natürlich sofort, was auf unserem Trailer stand. Nach der Identifizierung sagte er, dass im Ort ein Peugeot-verrücktes Mitglied seines Clubs wohnen würde - schon nach wenigen Minuten stellten wir fest, dass es sich um unser Mitglied Thomas Hess handelt, von dem wir uns erst Sonntags in Paderna verabschiedet hatten. Unser Helfer verschwand und war kurz danach mit Thomas wieder da. So kam es zu einem ungeplanten Wiedersehen.

Die restliche Heimfahrt verlief problemlos und der 402 ist inzwischen wieder einsatzbereit.

Michael Kreuz


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