Peugeot Oldtimer Club - www.vorkriegs-peugeot.de Eine Initiative von Michael Kreuz zur Pflege & Erhalt von Peugeot Oldtimern der Vorkriegszeit. Eine umfangreiche Sammlung von Informationen, Veranstaltungen & more!

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Internationales L'Aventure Peugeot Meeting 9. – 11.6. 2017 in F – Bordeaux

Das erste Mal seit 2012, als das internationale Peugeot Treffen in Lahnstein bei Koblenz stattfand, hatte ich Gelegenheit, teilzunehmen. Leider war der 402 wegen defekter Bremsseile noch nicht einsatzbereit, so daß ich auf den 203 von 1954 zurückgreifen mußte.

Erfreulicherweise lief die Organisation im Vorfeld dieses Mal sehr gut – von der rechtzeitigen Ankündigung des Termins Ende 2016 bis hin zu den Anmeldeformularen und den Hotelbuchungen. Ein Wermutstropfen bleibt: Obwohl deutschsprachie Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und er Schweiz etwa 15 % des Gesamtkontingents von 90 Teams ausmachten, wurde auf deutsche Übersetzungen komplett verzichtet. Es wurde weitestgehend französisch gesprochen und auch die Übersetzungen ins Englische z.B. bei den offiziellen Ansprachen fielen recht knapp aus.

Knapp 1.300 Kilometer einfache Entfernung von Stuttgart nach Bordeaux sind eine Hausnummer. Daher habe ich auf die Anreise auf eigener Achse verzichtet und den 203 getrailert; der als Zugfahrzeug fungierende 607 hat ausreichend Kraft dafür. Da ich die Strecke gemütlich und ohne Hektik angehen wollte und auch noch unser Hochzeitstag anstand, habe ich die Hinreise mit drei, die Rückfahrt mit 2 Übernachtungen geplant und jeweils Städte ausgesucht, die ich bis dahin nicht kannte bzw. einmal wieder besuchen wollte. Dem Gespann geschuldet war die Hotelauswahl: Wichtiger als hoher Standard war ein großer Parkplatz, auf dem gut rangiert werden konnte und eine kurze Anbindung an die Überlandstraßen.

Bei nicht zu heißem Wetter sind wir am 6.6. gestartet und erreichten nach rund 460 Autobahn-Kilometern Beaune in Burgund. Von dort ging es am nächsten Tag zunächst über gut ausgebaute Landstraßen am Canal du Centre entlang, dann auf 4-spuriger Route Nationale nach Montlucon (gefühlt der geographische Mittelpunkt Frankreichs, tatsächlich etwa 30 Kilometer südlich davon), am Donnerstag dann eine kurze Strecke von 160 km nach Limoges, wobei ich hier auf die Route Nationale verzichtete und die landschaftlich schöne Strecke durch die Monts de Gueret über Bourganeuf wählte. Auch diese Strecke war mit dem Hänger gut zu bewältigen. Am Freitag gingen wir die letzten etwa 220 km über Angouleme nach Bordeaux an, wo wir mittags ankamen und den 203 bei der Peugeot-Niederlassung abladen und Hänger und Zugfahrzeugstehen lassen konnten. Erstaunlicherweise brauchten wir deutlich weniger als 20 € Autobahnmaut für die gesamte Strecke bis nach Bordeaux.

Um es von Anfang an zu sagen: Bordeaux ist eine sicherlich sehr schöne Stadt, als Austragungsort für eine Oldtimerveranstaltung aber ein absoluter Fehlgriff. Schon für unsere Fahrt von der Peugeot-Niederlassung zum Hotel in der Innenstadt – etwa 7 Kilometer – im Freitagnachmittagsberufsverkehr benötigten wir fast eine Stunde. Parken zum Ausladen war am Hotel praktisch nicht möglich, für den weiteren Weg von etwa 2 Kilometern zum Aufstellungsort der Oldies, sehr schön gegenüber der Börse am Ufer der Garonne gelegen, brauchten wir eine weitere knappe Stunde, da wir die gesamte Fußgängerzone umrunden und diverse Baustellen passieren mußten. Diese Problematik gab es jeden Tag, wenn wir durch die Stadt fuhren, sogar am Sonntagvormittag.

Ein weiterer Negativpunkt bei Veranstaltungen in Großstädten ist, dass die Teilnehmer auf eine Vielzahl von Hotels verteilt werden müssen und so der eigentlich gewünschte Kontakt auch außerhalb der offiziellen Veranstaltungspunkte zumindest sehr stark erschwert ist.

Endlich am Aufstellplatz – dem Place de la Maison Eco-Citoyenne – angekommen, wurden wir auf unseren Standplatz eingewiesen und erhielten die Teilnahmeunterlagen. Bei Temperaturen von etwa 30° wäre es gut gewesen, wenn es einen kleinen Willkommensdrink gegeben hätte; zum Glück war direkt neben unserem Platz ein Bierlokal geöffnet. Die Zeit bis zur offiziellen Begrüßung, die in den Räumen der Börse stattfand, nutzten wir, um die Teilnehmerfahrzeuge anzuschauen und alte Kontakte aufzufrischen bzw. neue Bekanntschaften zu schliessen.





Um 19 Uhr begann das Begrüßungs- „Dinner", das sich tatsächlich eher als Cocktail-Steh-Party mit sehr gutem Fingerfood  darstellte. Wir wurden von Direktor der L'Aventure, Herrn Xavier Crespin, begrüßt, außerdem waren drei!!! Generationen der Familie Peugeot – u.a. Thierry als ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender und Xavier als Präsident der L'Aventure - vor Ort. Mit Thierry Peugeot und dessen Tochter konnten meine Frau und ich Erinnerungen an die IPM 2006 in El Formigal bzw. 2008 in Naantali austauschen, ansonsten blieb die deutsche Gruppe zunächst eher unter sich.

Diese bestand aus den Teams:

Froehlich - 301;  Harig -  203 A;  Kreuz - 203 C,  Müller - 404 Break; Grandl - 404 Coupe;
Tollet - 204 GL;  Koch - 204 Cabrio; Rapsch - 504 Cabrio; Beermann - 504 Cabrio

Gegen 21.30 löste sich die Begrüßung auf und jeder ging durch die Fußgängerzone zu seinem Hotel, wo wir mit Familie Koch und Stefan Harig noch einen Absacker nehmen konnten.

Am Samstag mußten wir bereits gegen 7.30 Uhr am Auto sein, da der Start auf 7.45 Uhr vorverlegt war, was aber nicht alle mitbekommen hatten. Nach einem 20-Minuten-Marsch durch die Fußgängerzone starteten wir in den schon beginnenden Großstadtverkehr auf unsere 110-km-Strecke nach Arcachon. Die Streckenführung war, nachdem wir die Stadt erst mal verlassen hatten, sehr gut gewählt und das Roadbook mit Chinesenzeichen liess wenig Möglichkeiten, sich zu verfahren.

Wir fuhren durch den „Parc Naturel Regional des Landes de Gascogne" auf kleinen, teilweise unbefestigten Straßen Richtung Südwesten auf den Atlantik zu.


Einmal mußte die gesamte Peugeot-Flotte umdrehen und eine Ausweichroute nehmen, da ein umgestürzter Baum unsere pittoreske kleine Straße blockierte. Südlich von La Test de Buch erreichten wir die Küste und hatten bald darauf einen schönen Blick auf die Dune de Pilat, mit 151 Meter Höhe Europas größte Wanderdüne.



Nach mehreren Fotostopps kamen wir ohne Verzögerung in Arcachon an und wurden im Park Mauresque an unsere Stellplätze eingewiesen.



Jetzt hatten wir etwa eine halbe Stunde Zeit, gemütlich durch die Fußgängerzone zum Anleger der Rundfahrtboote, die uns auf das Bassin d'Arcachon bringen sollten, zu laufen.
Etwa 2 Stunden verbrachten wir auf dem Boot, das die Austernbänke im Bassin umrundete, uns Blicke auf etwa 25.000 in der Bucht liegende Motor- und Segeljachten sowie auf sehr schöne Villen auf der Landzunge des Cap Ferret ermöglichte. Hier bekamen wir auch unser Mittagessen in Form kleiner Kühltaschen, in denen sich belegte Brote etc. befanden. Mit Wein wurden wir von der Besatzung ausreichend versorgt. Durch den Seewind waren die Temperaturen durchaus angenehm.




 

 

 

 

 

 

 

Als wir wieder Land unter den Füssen hatten, stellten wir fest, dass das Thermometer sich den 37° näherte. Bei der Weiterfahrt passten wir aufgrund der Hitze wohl nicht richtig auf und hatten bald die Orientierung nach Roadbook verloren., Da wir wieder ins Hotel mußten, um uns für die Abendveranstaltung (die Abfahrt war für 18 Uhr vorgesehen) umzuziehen, verzichteten wir auf die vorgegebene Strecke und nahmen den kürzesten Weg über die Autobahn nach Bordeaux, sodaß wir gegen 16 Uhr wieder dort waren. Einige Teilnehmer, die dem Roadbook gefolgt waren, kamen erst ins Hotel, als wir uns um 17.30 Uhr auf den Weg zum Auto machten.

Ein Roadbook mit Chinesenzeichen ist sicherlich auf einer normalen Strecke sinnvoll. In einer Großstadt mit Abzweigungen im Abstand von wenigen Metern, dicht aufeinander folgenden Kreisverkehren mit bis zu 6 Ausfahrten, Baustellen, Umleitungen sowie dichtem Verkehr ist es zusammen mit einem Oldtimertacho, der auf 10 Kilometer etwa 700 Meter Abweichung hat, eher kontraproduktiv. Der Erfolg war, dass wir (und nicht nur wir) uns innerhalb kürzester Zeit total verfahren hatten und ein „Neustart" wegen der Einbahnregelungen und des Staus nicht machbar war. Letztendlich hat uns dann (für etwa 15 km in über einer Stunde) das Navi gerettet und zum Chateau de Tallin geführt, wo die Abendveranstaltung stattfand. Das Chateau liegt im Gebiet Haute Medoc, befindet sich seit 1896 in Familienbesitz und wird heute in der fünften Generation der Familie Cruse geführt. Hauptsächlich werden Weiß- und Roseweine produziert.

Als wir ankamen, standen die Vorkriegs-Peugeots bereits vor dem Schloß aufgereiht. Alle anderen Teilnehmerwagen wurden auf  einer großen Wiese aufgestellt, wo sie über Nacht stehen bleiben konnten. Wir wurden zu einer schattigen Terrasse gebeten, auf der bereits eine kleine Kapelle spielte und wir mit Champagner bzw. wahlweise alkoholfreiem begrüßt wurden. Außerdem gab es an Vorspeisen, was man sich wünschen konnte; aufgrund der Nähe zu den Produktionsorten auch superfrische Austern. Hier hatten wir endlich die Möglichkeit, einmal in Ruhe mit anderen Teilnehmern zu sprechen, ohne dass gleich wieder die Uhr im Nacken saß. Nach der Begrüßungsrede durch Xavier Crespin wurde zum nächsten Programmpunkt gebeten: Dem Concours d'Elegance, an dem sich auch unser Mitglied Hartmut Froehlich mit seinem 301 beteiligte.

Die Jury war hochrangig besetzt: Neben Xavier Crespin, Delphine Godchaux und Francois Dubois von L'Aventure Peugeot waren die Herren Thierry und Xavier Peugeot sowie Carlos Tavares, der aktuelle CEO der PSA-Gruppe, vertreten. Jeder Teilnehmer am Concours konnte sich selbst und die Geschichte seines Fahrzeugs vorstellen. Die Ergebnisse wurden am nächsten Tag bei der Schlußveranstaltung bekanntgegeben. Verdientermassen gewann aufgrund seiner Geschichte und der vorbildlichen Restauration der Peugeot 401 mit Crouzier-Karosserie, der der Schauspielerin Mistinguette gehört hatte. Es wurden weitere Preise vergeben, die aufzuzählen hier aber zu weit führen würde.


Im Anschluß ging es in den ausgebauten ehemaligen Stall zum Abendessen, wo wir an 8ter-Tischen saßen und sehr gut verpflegt wurden. Die Tischbesetzung war gemischt, so dass wir neue Bekanntschaften schliessen konnten. Gegen 0.30 Uhr wurden wir dann mit Shuttlebussen in die Hotels zurückgefahren, was deutlich schneller ging als die Hinfahrt auf eigener Achse.


Am Sonntagmorgen hiess es wieder früh aufstehen, da die Shuttles uns um 8.30 aufsammelten und wieder zum Chateau de Taillan brachten. Dort wurden die Autos kurz durchgesehen, soweit nötig Öl und Wasser nachgefüllt etc. Um 10 Uhr war dann der Start zur letzten Etappe nach St. Emilion; die kleine Gemeinde ist seit 1999 mit dem umliegenden Weinbaugebiet Weltkulturerbe.

Liefen die ersten Kilometer noch ganz gut, mußten wir feststellen, dass das Verkehrschaos in Bordeaux auch vor dem Sonntagvormittag nicht Halt macht – im Schritttempo und Stop-and-Go ging es über die Garonnebrücke „Pont Jaques Chaban Delmas" auf das östliche Ufer, wo wir dann wieder freiere Fahrt hatten und, nachdem die Industriegebiete Bordeaux hinter uns lagen, die herrliche Landschaft Südwestfrankreichs geniessen konnten.

Zunächst lief die Strecke nordwestlich entlang der Garonne, bog dann nach Westen ab und folgte dem Lauf der Dore, die wir auf einer historischen Brücke bei Cubzac-les-Ponts überquerten.


Von dort ging es auf kleinen, romantischen Strassen Richtung Libourne, das wir allerdings nicht auf eigener Achse erreichen sollten: In einem Dörfchen mußten wir scharf nach links abbiegen, danach ging es eine steil abfallende Strasse hinab. Als ich in den 2. Gang zurückschalten wollte, gab es einen Knall und mein Kupplungspedal verschwand Richtung Fahrzeugboden – das Ausrückgestänge der Kupplung war gebrochen. An sich kein großes Problem, aber dumm, wenn man das Ersatzteil nicht an Bord hat. Glücklicherweise passierte das im Schatten, so daß wir nicht bei 37° in der Sonne stehen mußten. Als wir den 203 abgesichert hatten, blieben andere Teilnehmer bei uns, bis der Abschlepper da und das Auto aufgeladen war. Ich begleitete meinen Wagen, meine Frau stieg in einen 204 um und fuhr die letzte Etappe von ca. 20 km dort mit bis zum Chateau Soutard in St. Emilion.






Dort angekommen, beschlossen wir, zunächst einmal das Mittagessen zu geniessen. Andres Porta, Organisator des IPM  2006 in El Formigal (Spanien), hatte uns Plätze freigehalten und wir hatten trotz der Panne ein vergnügliches Mittagessen. Nach verschiedenen Ansprachen und der Versicherung, dass es auch 2018 ein IPM geben soll (Ort und Zeitpunkt werden noch bekanntgegeben), endete das Internationale Peugeottreffen 2017.
Danach wurde der Schaden besichtigt; nachdem der 203 schon aufgeladen war, wurde die Reparatur vertagt und wir kamen mit dem Abschlepper zurück zur Peugeot-Niederlassung in Bordeaux, wo wir das Auto gleich mit vereinten Kräften auf meinen Hänger verluden.




Dann hatten wir „Freizeit" – wir nutzten den Abend, uns noch etwas in der Innenstadt umzusehen, bevor es am nächsten Morgen mit Zwischenstopps in Moulins und Besancon wieder zurück nach Stuttgart ging, wo wir am Mittwoch ohne weitere Probleme ankamen.

Ich möchte mich auf diesem Wege beim gesamten Organisationsteam der IPM 2017, das den Widrigkeiten des Großstadtverkehr trotze und uns immer gut eingewiesen und betreut hat, bedanken. Ganz besonders natürlich beim Fahrer des Abschleppwagens, der uns nach der Panne einsammelte und dann von St. Emilion wieder nach Bordeaux zurückbrachte.

 Fazit: Es war eine vom Programm her sehr schöne Veranstaltung und wir konnten viele Bekannte aus ganz Europa treffen und neue Bekanntschaften schliessen. Negativ war die Verkehrssituation in der Großstadt und die zersplitterte Unterbringung der Teilnehmer auf eine Vielzahl von Hotels. Letztere waren – zumindest bei uns – darüber hinaus für das, was geboten wurde, absolut überteuert.

Für künftige Treffen wünsche ich mir eine Ausrichtung ausserhalb von Ballungsgebieten und möglichst mit einer Unterkunft für alle, damit sich die Teilnehmer dort kennenlernen können, statt die Zeit mit Transferwegen zu verplempern. Es sollte möglich sein, Hotels zu finden, die 400 – 500 Personen unterbringen können, über ausreichende Infrastruktur wie Veranstaltungssäle verfügen und in deren Umgebung auch ausreichend Platz nicht nur für die Oldtimer, sondern auch zum Abstellen der Zugfahrzeuge und Hänger vorhanden ist. Als Ausgleich für die dann eventuelle fehlende „Aussen- bzw. Werbewirkung" – inwieweit die bei Fahrten im Stau bei den anderen Verkehrsteilnehmern positiv ist, wage ich nicht zu beurteilen – sollten Journalisten der Fachzeitschriften mit eingeladen werden, deren Artikel dann ein tatsächlich positives Bild weitergeben.

Hier gibt es noch ein 6-Minuten Video vom IPM 2017