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Internationales Peugeottreffen 2006 in El Formigal/Spanien

Leider kamen die Entscheidung aus Saarbrücken für alle der Amicale Peugeot Deutschland angehörenden Clubs sehr kurzfristig; Anfang Mai und somit nur 4 Tage vor Meldeschluß in Spanien war endlich klar, dass die Oldtimer von Peugeot mit einem LKW nach El Formigal befördert würden. Aufgrund der sehr kurzen verbleibenden Reaktionszeit – wer bekommt in normalen Firmen heute so kurzfristig eine Woche Urlaub? – konnten dann nur 4 Teams den Weg nach Spanien antreten. Das waren: Josef und Erika Koch aus Saarbrücken im 304 Cabrio, Renate und Hugo Schroth aus Hanau im 404 Cabrio, Michelle und Detlef Rudolf im 104 (Rallyeversion) aus Merzig und meine Frau und ich als einziger deutscher Vorkriegswagen im 402.

Nachdem unsere Anreise von Stuttgart nach Saarbrücken auf Achse mit einer Übernachtung bei meinen Eltern auf halber Strecke in Landau problemlos verlief, gaben wir unseren Oldtimer zum Verladen auf dem Gelände von Peugeot Deutschland ab. Zusammen mit dem Ehepaar Schroth übernahmen wir dort einen 407 SW aus dem „Pressebestand", den uns Peugeot für die Reise nach El Formigal zur Verfügung stellte. Da aufgrund des Feiertages die Verladung schon Mittwochs erfolgte, wir aber erst Freitag Nachmittags in Spanien sein mussten, konnten wir uns für die rund 1.300 Kilometer Hinreise quer durch Frankreich Zeit lassen. Wir schauten uns auf dem Hin- und Rückweg mit je 2 Übernachtungen Chateauxrouges, Limoges, Lourdes, Bordeaux und Reims an und konnten so die Reise wirklich genießen. Damit die deutsche „Delegation" in Spanien einheitlich auftreten konnte, wurde wir vor der Abfahrt von Peugeot Deutschland noch mit Polo-Shirts, einer Regenjacke, Mützen etc. ausgestattet.

Als wir Freitags gegen 15 Uhr in El Formigal auf etwa 1.600 Metern Höhe ankamen, sahen wir als erstes „unseren" LKW mit den 4 deutschen Oldtimern, die auf das Abladen warteten. Nachdem wir im 4 Sterne-Hotel Melia eingecheckt hatten, waren auch die beiden anderen Teams angekommen und wir holten die Autos vom LKW. Glücklicherweise durften die Oldies in der Tiefgarage abgestellt werden, da am Spätnachmittag ein Gewitter aufzog, dass die ganze Nacht über so stark tobte, dass wir schon befürchteten, die Garage würde volllaufen.

Die „Meldestelle" für die Veranstaltung war in unserem Hotel untergebracht. Zusammen mit den Unterlagen wie Teilnehmerausweisen, Fahrtenbuch usw. wurden uns auch hier sehr schöne Polo-Shirts mit dem Emblem der Veranstaltung, Peugeot-Rucksäcke usw. ausgehändigt. Insgesamt von meiner Seite aus ein großes Lob an den spanischen Veranstalter für die gelungene Organisation und die interessante Streckenführung. Das einzige, dessen Hintergrund wir nicht nachvollziehen konnten, war die Vergabe der Startnummern, die für uns alle unter den ersten Zehn lagen. Weder war das durch eine frühe Anmeldung, noch durch das Alter der Fahrzeuge zu begründen. Ich persönlich glaube, dass die Nummern nach den Hotels, in denen man untergebracht war, vergeben wurden.

Nach der Anmeldung versammelten sich die rund 130 teilnehmenden Teams aus ganz Europa – weiteste Anreise hier hatten die Finnen, die im 403 Kombi auf Achse kamen, die größte Teilnehmergruppe gehörte dem belgischen Club an – sowie aus Übersee, wo Südafrika mit dem Ehepaar Botha im 504 Cabrio vertreten war, zum Welcome-Dinner.

Wie sich herausstellte, waren 13 Vorkriegsfahrzeuge vor Ort, wovon der älteste ein 1924er Typ 172 BC aus Turin und ein belgisches Ehepaar tatsächlich im 402 auf Achse angereist war. Zwei der Vorkriegswagen stammten aus dem Peugeotmuseum; Monsieur Thierry Peugeot, Vorstandsvorsitzender der PSA und Präsident der L'Aventure Peugeot, ließ es sich nicht nehmen, das gesamte Wochenende im 601 mitzufahren und Herr Jean Paul Hazard, der Geschäftsführer der L'Aventure, war mit einem 402 B Legere dabei. Der interessanteste Vorkriegswagen war meiner Ansicht nach aber die „402 B Legere Cabriolimousine" des Ehepaares Bulit. Ein solches Auto habe ich noch nie zuvor gesehen und auch in der Literatur gibt es darauf nur sehr spärliche Hinweise.

Während des Dinners traf dann auch das fünfte deutsche Team – Herr Thomas Schalberger mit Familie im 404 Cabrio aus dem Peugeotmuseum – zu uns. Ein weiteres Team aus Deutschland – Karl und Edith Grandl - war im 404 Coupe ohne Kontakt zur Amicale Peugeot angereist, so dass insgesamt 6 Fahrzeuge/Teams aus Deutschland am Treffen teilnahmen.

Am nächsten Morgen zeigten sich die Pyrenäen nach der gewittrigen Nacht von einer angenehmeren Seite. Die in verschiedenen Hotels untergebrachten Teams sammelten sich auf einem ausreichend großen Platz und mit geringer Verspätung ging mit Startnummer 1 Thierry Peugeot auf die rund 150 Kilometer lange Strecke. Am Start erhielten wir ein Geschenk der Fa. Total, dass aus 5 Liter Öl, T-Shirt, Mütze etc. bestand. Die Strecke führte uns zunächst auf sehr gut ausgebauten Straßen fast ausschließlich bergab ins spanische Pyrenäen-Vorland. Allerdings mussten wir aufpassen, da uns hunderte Teilnehmer eines Radrennens entgegenkamen und die Polizei diesen den absoluten Vorrang einräumte.

Als wir die Stadt Jaca erreicht hatten, ging es auf landschaftlich sehr schönen, lokalen und weitgehend unbefahrenen Sträßchen weiter zum in einem Naturschutzgebiet liegenden Kloster San Juan de la Pena, das für die spanische Geschichte wichtig ist, da hier 1137 das Königreich Aragon entstand und im Jahr 1469 durch die Heirat von Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon der Grundstein zum spanischen Gesamtstaat gelegt wurde. Nach der geführten Besichtigung des Klosters wurde ein Picnic durchgeführt, in dessen Anschluß es zurück nach Jaca ging. Die Fahrzeuge vor Baujahr 1960 konnten dort in den Innenhof der über 500 Jahre alten, noch heute teilweise militärisch genutzten Citadelle einfahren, der Rest wurde in der Umgebung geparkt. Hier bestand Gelegenheit zu einem Stadtrundgang, der leider durch einen Regenguß etwas verkürzt wurde und zur Teilnahme an einer Führung durch die Citadelle, die ein vorbildhaftes Beispiel für den Renaissance-Festungsbau darstellt. Gegen 17 Uhr ging es dann – ohne Regen, aber wieder mit den jetzt zurückkommenden Radrennfahrern als Gegenverkehr – stetig bergauf zurück nach El Formigal, wo im Hotel schon der Beginn des Galaabends auf uns wartete.

Um 20 Uhr begann das Dinner mit Ansprachen von Herrn Thierry Peugeot, Herrn Jean Paul Hazard und Herrn Andres Porta, den Präsidenten des spanischen Peugeotclubs. Die holländischen Teilnehmer zogen es vor, zunächst in der Bar zu bleiben und das erste WM-Spiel des Oranjeteams dort im Fernsehen zu verfolgen. Gegen 1 Uhr zogen sich die meisten zurück, da es am nächsten Morgen früh wieder losgehen sollte.

Um 8.45 trafen die Autos wieder auf dem Sammelplatz ein, um 9.00 ging es zur nur etwa 50 Kilometer langen Abschiedsetappe nach „Balneario de Panticosa", nachdem wir am Start wiederum ein Geschenk – diesmal von der Fa. Michelin – bestehend aus Weste, T-Shirt und Mütze erhalten hatten. Auf der Strecke zum in rund 2.500 Meter Meereshöhe gelegenen Kurort mussten die Autos einiges leisten; so kam der 402 zwar weite Strecken im 2. und 3. Gang vorwärts, auf den letzten 4 Kilometern musste ich nach diversen Haarnadelkurven aber häufig auf den ersten Gang zurückgreifen, was dazu führte, dass wir nur sehr langsam den Berg hinaufkamen. Der Kurort mit diversen heißen Quellen und einem Casino liegt landschaftlich ausgesprochen reizvoll wie in einem Amphittheater in einem an drei Seiten von über 3000 Meter hohen Bergen umgebenen Talkessel. Auf dem Casinoplatz wurden wiederum die Fahrzeuge vor Baujahr 1960 abgestellt und wir hatten das Glück, neben Thierry Peugeot zu stehen. So kamen wir ins Gespräch und ich konnte ihm etwas über das Vorkriegsregister erzählen und meine Visitenkarte überreichen. Nach und nach kamen alle Teilnehmer an und der älteste Wagen – der 172 BC Baujahr 1924 von Herrn Fassi aus Turin – wurde mit Applaus begrüßt.

Vor einem eindrucksvollen Gebäude wurde ein Gesamtfoto der Teilnehmer gemacht, dann gab es einen Empfang im Garten des Casinos, bei dem Kaffe, kalte Getränke und Gebäck gereicht wurden. Anschließend wurden in Ballsaal Ehrungen und Pokale vergeben – für den jüngsten (2 Jahre) und ältesten (? Jahre) Teilnehmer, die weiteste Anreise, den am stärksten vertretenen Club, das älteste Fahrzeug... Danach gab Thierry Peugeot den mit Spannung erwarteten Ausrichter des Treffens 2007 bekannt.

Von Balneario de Ponticosa ging es zum abschließenden Mittagessen nach Biescas. Dort gab es ein so umfangreiches Essen, dass Michelle Rudolph die Lammkeule nicht schaffte. Sie kam dann auf die gute Idee, sie sich einpacken zu lassen, damit wir sie dem Fahrer unseres LKW mitbringen konnten, der wegen des Sonntagnachtfahrverbotes noch eine weitere Nacht in El Formigal bleiben musste. Gesagt getan, nur der herbeigerufene Kellner, der Küchenchef und der Saalchef verstanden uns nicht. Als endlich ein des englischen mächtiger Spanier dem Küchenchef den Wunsch darlegen konnte, erhielten wir zur Antwort „ sie kann die Keule ruhig essen, in der Küche seien noch viele und man würde uns eine zusätzliche einpacken ..." Ich glaube nicht, dass der hilfsbereite Mann verstand, warum alle am Tisch in lautes Lachen ausbrachen.

Als wir uns verabschiedeten, hielt mich Herr Porta noch einige Minuten zurück, da er mir etwas geben müsse. Nach einigem Hin und Herr bekam ich dann eine Tageszeitung, in der über das Treffen berichtet und unter anderem ein Foto meines 402 veröffentlicht war, das natürlich einen Ehrenplatz im Album bekommt. Nachdem wir nochmals 25 Kilometer zurück nach El Formigal gefahren waren, wurden die Oldtimer bei wieder drohendem Gewitter verladen und wir machten uns im 407 auf dem Weg zurück nach Saarbrücken, wo wir Dienstags Nachmittags nach 7 ereignisreichen, schönen Tagen unsere Autos wieder in Empfang nehmen konnten.