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Oldtimerrestauration: PEUGEOT 177 b, 1924, Chassis Nr. 54.214

von unserem Mitglied Guido Keller aus der Schweiz

Im Jahre 1989 erfüllte ich mir einen langersehnten Wunsch, die Anschaffung eines Oldtimers. Es sollte ein älteres Fahrzeug sein.

Zufällig fand ich bei einem Sammler ein Fahrzeug, dass mir sofort in die Augen stach. Ein buntes Fahrzeug mit Jahrgang 1924. Leider waren zu jener Zeit die Oldtimer noch recht teuer, also schon die erste Überraschung.
Nur mit Mühe konnte das Fahrzeug heim gefahren werden. Die zweite Überraschung: es waren keine Fahrzeugpapiere vorhanden. Also musste das Fahrzeug zuerst noch verzollt in der Schweiz werden. Das war zu jener Zeit noch möglich.

Nun galt es das weitere Vorgehen in Sachen Instandstellung zu prüfen. Bald stellte sich aber heraus, möchte ich dieses Fahrzeug richtig restaurieren, der Aufwand ziemlich Zeit und Kosten verursachen würde. Aber wenn schon, denn schon. Also das ganze Fahrzeug demontieren und die defekten Teile original neu anfertigen. Schlussendlich war das nackte Chassis demontiert: Also sandstrahlen, neu grundieren.

 

Jetzt konnte die Neumontage beginnen. Schnell stellte sich aber heraus, dass auch sämtliche Federbolzen inkl. Büchsen sowie die Achsschenkelbolzen ausgeleiert waren und neu angefertigt werden mussten. Das gleiche galt für die Hinterachse. Die Zahnräder dieser Achse waren ebenfalls teilweise ausgebrochen (Synthetisches Öl statt Pflanzenöl). Auch diese Teile wurden in einer Zahnradfabrik neu angefertigt. Zugleich haben wir den Motor einer kompletten Revision unterzogen und auch den Kühler repariert.

Diese Arbeiten dauerten einige Jahre.

Nach dem Zusammenbau des Chassis galt es die Holzkarosserie durch einen Wagner neu anzufertigen. Gottlob gibt es solche Fachleute heute immer noch. Dann konnte die Verblechung angebracht werden, die Schutzbleche waren zudem so verspachtelt, dass auch hier nur durch eine Neuanfertigung ein ordentliches Resultat erreicht werden konnte. Schlussendlich wurden auch die Sitze neu mit Lederüberzogen und das Verdeck neu angefertigt. Dies alles brauchte Zeit.

Immer wieder meine bange Frag, kann das Fahrzeug überhaupt einmal in Betrieb genommen werden?
Am 22. September 1999 – also nach zehn Jahren – konnte ich das Fahrzeug in der Motorfahrzeugkontrolle vorführen. Und siehe da, dies klappte auf Anhieb.

Nun konnten die ersten Fahrten durchgeführt werden. Aber es sollten noch weitere Probleme auftauchen: Drei Holzräder mussten neu angefertigt werden. Ebenfalls schwierig war es passende Pneu aufzutreiben. Die Preise von Lieferanten in der Schweiz variierten von 750 – 2000 Franken pro Stück! Ein deutscher Lieferant konnte mir diese für rund 1400 Franken – wohlverstanden für 5 Stück - frei Haus liefern.

Probleme verursachte dann noch während Jahren das Starten des Motors: immer wieder war der Anlasser defekt. Ein solcher Anlasser war leider - wie auch andere Ersatzteile - für diesen Peugeot auf Oldtimermärkten nie zu finden. Also musste dieser Anlasser immer wieder repariert werden. Zuletzt mussten wir den Motor ausbauen um den Anlasserzahnkranz zu demontieren und neu anzufertigen.
Trotz dieser Arbeit bereitete mir der Anlasser nochmals Probleme. Ein spezieller Fachmann konnte nun eine Lösung finden und seit Mai 2015 ist auch dieses Problem behoben.

Trotz den vielen Arbeitsstunden, Geld und Sorgen mit der Restauration bin ich stolz diese Arbeiten und die dabei erlebten Erfahrungen gemacht zu haben. Das Fahrzeug ist also wieder im Originalzustand aber praktisch neuwertig.
Viele erlebnisreiche Fahrten wurden in der Zwischenzeit unternommen. Tagesfahrten über 8 Stunden hat er mühelos überstanden. Oldtimertreffen und andere Rundfahrten entschädigten mich für die jahrelange Restauration. Bei einem Oldtimertreffen auf der Schwägalp fragte mich ein Reporter: „Hat dieses Fahrzeug die Steigung nach der Schwägalp geschafft? " Meine Antwort: „ Problemlos- ich war sogar immer der Vorderste!"

Vielleicht haben auch sie Probleme mit der Restauration? Durch meine Erfahrungen habe ich viele Kontakte knüpfen können. Zu allfälligen Problemlösungen bin ich gerne bereit nach Möglichkeit zu helfen.

Bemerkungen:

Dieses Fahrzeug wurde von mir im Jahre 1989 erworben. Es waren leider keine Zollpapiere
vorhanden. Neuverzollung am 25. August 1990.

Nach einer Generalrevision wurde das Fahrzeug am 22. September 1999 durch die MFK abgenommen.

Revisionsarbeiten:

Komplette HolzKarosserie neu erstellt. Neuverblechung inkl. Kotflügel. Motor revidiert. Hinterachseinsatz neu erstellt. Polsterung und Verdeck neu angefertigt. Holzräder nachgebaut. Alles in Originalzustand revidiert.

Sie erreichen mich unter  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Herr Keller schrieb mir dazu noch folgende Info:

"Sehr geehrter Herr Kreuz,

selbstverständlich dürfen sie meinen Renovationsbericht auf ihrer Homepage aufnehmen. Ich freue mich darauf. Leider werde ich infolge vorgerücktem Alter bald keine eigenen Fahrten mehr ausführen. Ich würde mich freuen, dieses Fahrzeug einem Interessenten zu einem günstigen Preis abzugeben. Leider. 

Ganz liebe Grüsse

Guido Keller."