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Damals gab es noch Schnäppchen

Unser Mitglied, Herr Jaques Fath hat mir den folgenden Artikel über den Erwerb seisne Peugeot 201 zur Verfügung gestellt:

Die Jahre 1970 - 1980 führten mich beruflich nach Südfrankreich und in dieser Zeit konnte ich dort 4 französische Sammlerstücke finden und erwerben. In der Reihenfolge des Kaufs sind das ein Rosengart LR 3, Baujahr 1931, ein Citroen Traction Avant, Baujahr 1951, ein offener Citroen B2 10 HP, Baujahr 1922 und eben der Peugeot 201, Urvater der Peugeot - 20 - Reihe, die inzwischen beim Modell 208 angekommen ist. Der 201 wurde 1929 auf dem Pariser Salon vorgestellt. Im Juli des gleichen Jahres begann die Serienproduktion. Mein Exemplar stammt aus dem Jahr 1933.

Voller Spannung fuhr ich eines schönen Samstags morgens im Dezember 1979 mit meinem französischen Geschäftsfreund von Lyon aus nach Süden in die Berge nach Mornat, wo Monsieur Robelin das Auto für mich entdeckt hatte. Eine freundliche ältere Dame öffnete uns das große Scheunentor und ich war schlagartig verliebt. Nein, nicht in die Dame, sondern in das hinter ihr zum Vorschein kommende Auto. Ich hatte ein altes Wrack erwartet, aber vor uns stand ein sehr rüstiger Mittvierziger im makellosen dunkelblauen Gewand. Nachdem wir das Auto von alles Seiten betrachtet und nur Gutes erspäht hatten, erfuhren wir von der älteren Dame seine Geschichte:

Im Jahr 1933 hatte ein Lyoner Fabrikant das Auto gekauft und seinen beiden Zwillingstöchtern zum 18. Geburtstag geschenkt. Mittlerweile waren die beiden Zwillinge 64 und wollten sich von ihm trennen. Der Peugeot war nicht nur immer noch im Erstbesitz und für den Alltagsverkehr zugelassen; er hatte in den 46 Jahre seines Daseins auch nur knapp 20.000 Kilometer auf dem Tacho angesammelt. Bei der ersten Anlasserbetätigung sprang der Motor an und schnurrte vor sich hin. Mr. Robelin drehte nach Aufforderung eine Runde auf dem weitläufigen Gehöft und ich mußte mich kneifen, um sicherzustellen, dass ich nicht träumte. Noch am selben Tag wurden wir uns handelseinig und ich leistete ein Drittel des Kaufpreises als Anzahlung und Bestätigung, dass es mir mit dem Kauf ernst war.

Jetzt hieß es, die Exportpapiere zu erstellen, wobei mich eine Lyoner Spedition sehr unterstützte. Die damals noch notwendige Unbedenklichkeitsbestätigung für den Export des „technischen Kulturgutes" stellte mir nun schon zum vierten Male Mr. Henri Malatre, Leiter des Nationalen Automobilmuseums von Rochetaillee aus (Anmerkung: Das sehr schöne Museum besteht heute noch und ist auf der Fahrt in den Süden unbedingt einen Besuch wert).

Am 8. April 1980 holte ich das Prachtstück dann auf dem Hänger von Mornant rund 660 Kilometer nach Lützelsachsen und erfreue mich immer noch daran.

Was ich in der langen Zeit daran gemacht habe? Nicht der Rede wert! Die Beleuchtungsanlage mußte natürlich den Erfordernissen der deutsche STVO angepasst werden. Dabei wurde darauf geachtet, dass Anbauteile wie Blinker, Warnblinkanlage und Rückleuchten so angebracht wurden, dass das Fahrzeug durch deren einfache Demontage jederzeit wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden kann. Außerdem wurde der Kühler gereinigt, der abgesoffene Schwimmer ersetzt und eine neue Federbride geschmiedet.

Und noch immer springt der Motor bei der ersten Anlasserbetätigung an und schnurrt munter vor sich hin. Bei der Fahrt zum Museumsfest des Carl Benz Museums hat er die 27.000 Kilometermarke überschritten und als ich am Nachmittag den Hof verließ, blieb der vorsorglich von der Museumsleitung zur Verfügung gestellte Ölkarton blütenweiß zurück.

Jacques Fath