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Peugeot Motorräder in Deutschland – das „Montagewerk" in Stuttgart

(von Alfred Hollenbach)

Der Fa. Peugeot ging es gut in den 1920er Jahren. Sie blickte sowohl im Motorrad- als auch im Automobilbau auf eine fast vierzigjährige Tradition zurück, Fahrräder wurden noch länger gebaut. Nach dem ersten Weltkrieg hatte sie sich bei den Motorrädern zeitgemäß auf kleine Zweitakter verlegt, die preiswert und zuverlässig waren.

Im März 1926 wurde der Fahrzeugbau in je eine eigenständige Automobil- und Motorradfabrik aufgeteilt. Dies brachte beiden Sparten neuen Schwung – im Automobilbereich wurde der legendäre 201 entwickelt und bei den Motorrädern legte man den Grundstein für eine neue Viertakter-Baureihe mit Blockmotor.

Als erstes Modell kam die P 104 mit 350 ccm auf den Markt. Die Reihe wurde erweitert, so daß die Hubräume von 175 – 350 ccm abgedeckt wurden. Die Maschinen erlangten schnell einen guten Ruf, waren robust und zuverlässig.

So lag es nahe, sich über Frankreich hinausgehende Märkte zu erschließen. Vielleicht hing es auch mit dem „Black Friday" – dem 25. Oktober 1929 – zusammen, dem die Weltwirtschaftskrise folgte, in der die Absatzzahlen bei den Motorrädern enorm sanken.

Deutschland lag sozusagen vor der Haustür und es gab alte Beziehungen nach Stuttgart, da das Franche-Comte, in dem die Fa. Peugeot ihren Sitz hat, über Jahrhunderte zum Herzogtum Württemberg gehörte. Die Bewohner hatten gute Erfahrungen mit den württembergischen Herrschern gemacht (so wurde die allgemeine Schulpflicht früher als anderswo eingeführt) und nicht zuletzt war Stuttgart die nächstliegende Kapitale einer Industrieregion.

So versuchte Peugeot Cycles Ende 1928 oder Anfang 1929 in Stuttgart Fuß zu fassen. Große Anzeigen sollten deutsche Motorradfahrer davon überzeugen, daß sie mit Peugeot eine vorzügliche Wahl träfen. Es wurde darauf hingewiesen, daß Peugeot der größte Fahrrad- und Motorradkonzern Europas mit über 50-jähriger Erfahrung im Fahrrad- und über 40-jähriger Tradition im Motorradbau sei. Auf Zulieferer würde weitestgehend verzichtet, da praktisch alles selbst hergestellt würde und man sogar über eigene Stahlwerke verfüge. „In einem mustergültig ausgestatteten Montagewerk erhielten die Maschinen den letzten Schliff, damit ein höchstmöglicher Gegenwert für das Geld zu erhalten sei" teilte die Peugeot-Werbeabteilung weiter mit.

Die Gesellschaft firmierte unter dem Namen „Deutsche Peugeot Motoren GmbH" und residierte vermutlich ab Beginn der Tätigkeit, sicher aber ab 1930 in der Holzgartenstr. 9 in Stuttgart. Das war eine gute Adresse in der Innenstadt, heute in unmittelbarer Näher der Liederhalle und des sogenannten "Bosch-Areals". Erwähnenswert ist, das die ganze Häuserzeile einem gewissen Herrn Robert Bosch gehörte – vielleicht gab es hier auch sonstige geschäftliche Beziehungen. Die Adresse führt zu einem Herrn Josef Fahrner, der eine Motorrad-Vertretung und -reparaturwerkstätte betrieb. Man befand sich in bester Gesellschaft, im selben Gebäude war eine Fabrikverkaufsstelle der MiFa (Mitteldeutsche Fahrradfabrik Berlin) untergebracht. Allerdings war der Begriff „Montagewerk" wohl etwas hoch gegriffen und allzu glücklich dürfte Herr Fahrner mit dem Import der Peugeot-Maschinen nicht gewesen sein.

Bereits 1932 zog die Deutsche Peugeot Motoren GmbH in den Stuttgarter Neckar-Vorort Gaisburg und residierte dort in der Ulmer Str. 149 (heute befindet sich dort ein nicht bebautes Industriegrundstück). Unter der gleichen Adresse hatte auch ein P. Denneler sein Gewerbe als „Handel mit Motorrädern und Ersatzteilen" angemeldet; es ist davon auszugehen, daß Herr Denneler und Peugeot einen gemeinsamen Schreibtisch hatten, was aber nicht von langer Dauer war. Bereits im Folgejahr war von Peugeot hier nichts mehr zu finden und als 1933 die Nationalsozilisten ans Ruder kamen, war das Abenteuer Deutschland für Peugeot bereits wieder beendet.

Trotz des guten Rufs konnte Peugeot in Stuttgart nie richtig Fuß fassen. Eine kleine Werkstatt ist mit der Organisation des Imports, wenn es Hand und Fuß haben soll, einfach überfordert. Dazu kommt, das Anfang der 1930er Jahre der Einbruch der Verkaufszahlen natürlich auch in Deutschland ziemlich heftig war und viele der potenziellen Kunden durch die Krise arbeitslos wurden. Zusätzlich kam hinzu, das der nationale Gedanke stark verbreitet war und Frankreich immer noch als der „Erzfeind" angesehen wurde. Dadurch war das Image der französischen Motorräder nie z.B. mit dem der englischen vergleichbar (und ist es nebenbei gesagt ja auch heute noch nicht, wenn man die Verbreitung der Peugeot-Motos im Oldtimerbereich ansieht...).

Die Peugeot-Motorräder hätten als Bauernmotorräder den Bedarf treffen müssen, robuste und zuverlässige Maschinen zu einem guten Preis zu sein. Der Begriff „Bauernmotorrad" ist hier als Lob zu verstehen. Die Fahrer seinerzeit waren auf ihre Maschinen angewiesen, als Transportmittel zur Arbeit oder als Arbeitsgerät. Die Freizeit war knapp und der Sonntagsausflug stand nicht im Vordergrund. So gesehen war es ein ehrenwerter Versuch, nur eben dumm gelaufen.

Bevor wir das Kapitel beenden, wollen wir noch einen Blick auf das Angebot werfen, das Peugeot seinen potenziellen deutschen Kunden offerierte. Es war eine Reihe von Viertaktern mit Blockmotoren.

Die kleinste war die – steuerfreie – P 110 A mit 200 ccm und ca. 5 PS. Sie führte auch den Beinamen „Deutschland". In Frankreich lief sie als P 110 mit 220 ccm. Sie war angeblich die stärkste und schnellste seitlich gesteuerte Maschine auf dem Markt und wurde 1931 für M 895,-- incl. Lichtanlage angeboten. Deutsche Mitbewerber waren z.B. die UT RC 200 mit dem 5 PS JAP-Motor für 815,-- Mark oder die NSU 201 TS für 825,-- Mark.

Als Ergänzung wurde drei Maschinen mit 350 ccm-Hubraum angeboten.

Die einfachste war die P 111, die auch auf den Beinamen „Stuttgart" hörte. Sie wurde als preiswerte Tourenmaschine beworben, hatte eine Leistung von 10 PS und wurde für 1.075,-- Mark angeboten. 1931 wurde der Preis incl. Lichtanlage auf M 995,-- reduziert.

 Eine etwas stärkere Tourenmaschine war die P 107 „Nürnberg". Sie wurde als Siegerin der 144-Stunden-Fahrt auf dem Nürburgring im Jahr 1930 bezeichnet und hatte 12 PS. Für die Maschine wurden 1.180,-- Mark aufgerufen.

Die Krönung der Palette war die P 105, die auch den Namen „Württemberg" trug. Sie besaß einen ohv-Motor, der etwa 15 PS leistete und war eine preiswerte Sportmaschine in höchster Vollendung. Dafür sollten zunächst 1.250,-- M über den Ladentisch wandern, 1931 wurde der Preis um 100,-- M reduziert.

Die 350er lagen im deutschen Markt preislich recht günstig. Es gab offenbar durchaus Fahrer, die gute Erfahrungen machten und – absolut üblich in der Zeit – ihr Lob für Werbezwecke zur Verfügung stellten.

Ein Polizeiwachtmeister aus Esslingen, der seine P 105 gebraucht mit 3.000 km gekauft hatte, berichtete, er habe 4.500 km ohne die geringste Störung bei Schnee und Eis zurückgelegt. Herr Fröschle aus Grunbach lobt den „einfach unglaublich niedrigen Brennstoffverbrauch im Vergleich mit anderen Maschinen" und ein Pfälzer aus Neuhofen hatte mit seiner P 105 "unter schwierigsten Wetter- und Wegbedingungen 11.000 km ohne Reparatur zurückgelegt".

Insgesamt werden die Motorräder als äußerst zuverlässig und sparsam gerühmt; schade nur, daß Peugeot Motorräder in Deutschland eine "note marginale" geblieben sind.

Abschliessend noch ein deutscher Prospekt aus den Tagen des "Stuttgarter Abenteuers".