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90 Jahre Peugeot-Willi in CH-Chur

Von unserem Mitglied Thomas Hess aus der Schweiz erreicht uns folgender Beitrag, wobei er schreibt:

Gestern Abend las ich auf dem Sofa mit Freuden deine Schilderungen und Erlebnisse, insbesondere in Avignon und südlich. Da kam mir in den Sinn, dir noch vom 90 Jahr Jubiläum unserer Vertretung in Chur Bilder zuzusenden. Mein 401 und 402 wurden neben vielen anderen Löwen-Oldies dabei auch eingesetzt.
Herzliche Löwengrüsse
Thomas

90 Jahre Autohaus Willi in Chur

Die Vorfahren des heutigen Firmenchefs Marco Willi gründeten im «Sand» eine mechanische Werkstätte. In dieser mechanischen Werkstatt wurden Wasserversorgungsanlagen sowie elektrische Installationen ausgeführt. Eine Spezialität war ein Lift mit Wasserantrieb.

Das Auto war in Graubünden viele Jahre verbannt. Erst nach mehreren Volksabstimmungen wurde das Automobil in Graubünden zugelassen. Der Bann gegen das Automobil blieb im Prinzip bis 1923 in Kraft, als in anderen Gegenden Europas der Verkehr schon ziemlich dicht war. So beginnt die Geschichte des ältesten Autohauses Graubündens am 21. Juni 1923 mit einem Telegramm, das den Vorfahren der gegenwärtigen Betreibergeneration aus dem Urlaub nach Chur mit dem verheissungsbvollen Text zurückbeorderte:

"Auto in Graubünden zugelassen, sofort nach Hause kommen"

In der Familienchronik schreibt der 1889 geborene Ingenieur Emanuel Willi: "und ich fuhr nach Chur zurück, in der Hoffnung, nun ein neues Wirkungsfeld zu finden. Es war zwar nur eine Durchgangsstrasse "Landquart-Julier-Castasegna" für 2 Jahre als Probe freigegeben, aber man hoffte doch, hernach den ganzen Kanton befahren zu dürfen, und was sehr wesentlich war, für den Sanitätsdienst durfte das neue Vehikel überall verwendet werden...".

Wenige Tage zuvor stimmte das Bündnervolk einem Gesetz über die probeweise Öffnung einer Durchfahrtstrasse zu. Dies nachdem das Autofahren schon in mehreren Schweizer Kantonen erlaubt war, man sich in Graubünden aber immer noch lediglich mit dem vorgespannten Pferd als Antrieb auf vier oder zwei Rädern bewegen durfte.

"mit welchem Stolz ich das erste Mal mit meinem nagelneuen Peugeot-6-Plätzer in Chur einfuhr, lässt sich nicht beschreiben", schreibt Emanuel Willi weiter in seiner Chronik. "Der Wagen wurde nun für alles Mögliche verwendet, sei es für Krankentransporte, Taxifahrten usw. Noch im Herbst 1923 eröffnete ich die erste Fahrschule in Chur. Viel wäre darüber zu erzählen, beispielsweise wie das zu und her ging und wie damals die Kandidaten bei der ersten Prüfung von Ingenieur Peterelli durchgefallen sind."

Erst nach einer weiteren Abstimmung im Jahre 1925 gaben die Bündner dem Auto «grünes Licht». Reisende ins Bündnerland mussten danach ihr Auto nicht mehr auf der St. Galler Seite der Tardisbrücke stehen lassen. Das war auch ein Grund für die Firma J. Willi Sohn, den Betrieb zu erweitern. Denn schon 1923 gab es drei getrennte Abteilungen: Maschinenfabrik und elektrische Installationen, Sanitäre Anlagen sowie Angliederung der ersten Autoreparaturwerkstätte und Fahrschule. Der Autosektor stand zunächst unter der Leitung von Emanuel
Willi, der bereits 1926 die Fiat-Vertretung übernahm, vorerst als Untervertreter von Zürich.

1928 kehrte Josef Willi, der Grossvater des heutigen Firmenchefs, aus Südamerika zurück. Als Privatchauffeur hatte er Erfahrungen mit dem Auto in Argentinien gesammelt. Er übernahm die Leitung des Autogaragen-Betriebes. Am Bahnhof Chur standen bald die ersten Fiat Taxi, neu angeschlossen wurde ein Mietwagenbetrieb. Und als Konzessionär der Post wird die Führung der Postautokurse bis 1963 übernommen.

Im Jahre 1948 erfolgte die Gründung der Calanda Garage AG mit einem Neubau mit moderner Reparaturwerkstatt und Tankstelle am heutigen Standort. Kaum ein Jahr danach wurde der Firmenchef Josef Willi seiner Familie und dem Geschäft entrissen. Die Geschäftsleitung übernahm der damals nicht ganz 20jährige Sohn Mario Willi, der dazu von der Regierung vorzeitig als volljährig erklärt werden musste. In den Folgejahren erweiterte Mario Willi die Garage kontinuierlich und übernahm 1982 als Konzessionär die Repräsentanz der Marke Peugeot im Kanton Graubünden, St.Galler Oberland und dem Fürstentum Liechtenstein.

1987 übergab Mario Willi seinem Sohn die Geschäftsleitung der Garagenbetriebe. Obwohl 90 Jahre alt, ist die traditionelle Universalgarage gar nicht verstaubt. Im modernen Garagen-Neubauarbeitet ein topmotiviertes, sehr gut ausgebildetes Team mit modernster Technik und Werkzeug. Und mit Peugeot kann das breite Spektrum vom kleinen Flitzer bis zum wirtschaftlichen Nutzfahrzeug bestens abgedeckt werden.
Die nächsten 90 Jahre sind wohl vorprogrammiert.

2013 wurde mit Hilfe von Peugeot-Oldie-Sammlern in den Betriebsräumen eine Jubiläumsausstellung gezeigt: