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Auflösung der Fa. Autoverwertung Egger

Mein Besuch am 22.8.2015 bei der Auflösung der Autoverwertung Egger in Grafenried in der Nähe von Bern war ein Erlebnis, das ich lange in Erinnerung behalten werde.


Ernst Egger übernahm 1948 den 1922 gegründeten Familienbetrieb, der zeitweise mehr als 10 Mitarbeiter beschäftigt haben muß. Er führte feinsäuberlich Buch über jedes Auto, das angeliefert und akkurat auseinander genommen wurde. Tagein, tagaus wanderten Autos auf die Schlachtbank: amerikanische Straßenkreuzer der Fünfziger bis Siebziger, Ford, englische Marken, GM-Produkte von Chevrolet, Opel oder Vauxhall aus dem nahegelegenen Werk in Biel/Bienne und auch viele Japaner. Alles, was irgendwie verwertbar war, landete in Regalen und auf Haufen. Fein säuberlich mit kleinen Blechschildchen beschriftet. Wenn ein Raum voll war, baute Egger an oder zog einen Zwischenboden ein – bis sich irgendwann die Teile bis unters Dach stapelten und Ende der achtziger Jahre der letzte Wagen auf der Schlachtbank zerlegt wurde.

Nachdem in der Familie niemand den Betrieb weiterführen konnte, übernahm 2015 ein Autoverwerter aus Bern den Restbestand – und löste das gesamte Ersatzteilsortiment auf. Über Youtube wurde ein Film in der Szene verbreitet (hier finden Sie das Video) und es gab mehrere Wochenenden der offenen Tür, von denen ich eines mit einem Freund besuchte.

Wir kamen gegen 9 Uhr in Grafenried an und wunderten uns über den eigentlich recht geringen Besuch. Von den anwesenden Besitzern wurden wir kurz eingewiesen und konnten uns dann ungestört auf dem gesamten Gelände bewegen. Zwischen ungläubigem Staunen und übermütiger Fassungslosigkeit begreift man bei stundenlangen Stöbern in überfüllten Regalen nur langsam das Ausmaß eines Lebenswerks von 1948 bis 1987.


Zwei Etagen tief reicht das Lager unter die Erde und drei Stockwerke gen Himmel. Von außen ist dem unscheinbaren Gebäude nicht anzusehen, was in ihm steckt: Ein Labyrinth von Gängen, Zwischenetagen, Räumen hinter Schranktüren, auf Dachböden, unter schmalen Schiebeschächten und auf uneinsehbaren Terrassen. Hinter engen Aufstiegen und steilen Leitern entfalten sich neue Räume mit weiteren Auto-Innereien. Und wieder ein Zwischenboden! Es war einmal ein Schlachtplatz und jedes noch so kleine Teil eines Spenders wurde hier bewahrt. Jede kleine Nische ist bis heute aufgefüllt mit fein säuberlich beschrifteten Oldtimerteilen. Oftmals haben wir etwas, was wir kurz vorher gesehen hatten, vergeblich gesucht, da wir schon wieder einen anderen Weg eingeschlagen hatten.

Der heutige Besitzer des Anwesens war selbst überrascht vom Ausmaß dessen, was er übernommen hatte. Beim Abschluss des Vertrages hatte der Käufer seinem Vorgänger noch sein Wort gegeben, dass dieser die Teile nicht in die Schrottpresse geben würde. Ein großes Wort angesichts der Masse und der Überraschungen. Noch Monate nach der ersten Begehung des Geländes wurden neue Oldtimer-Schlupfwinkel entdeckt. Zwar waren alle Teile beschriftet, doch ein wirkliches System lässt sich in der Gesamtsituation nicht erkennen. Daher war wirkliche Hilfe bei der Suche nach bestimmten Teilen nicht gegeben, die Aufsichtspersonen konnten nur grob angeben – dort liegen Getriebe, dahinten Inneneinrichtungen, auf dem Dachboden Blechteile und in den diversen Kellern Haufen von Achsen...

Trotzdem wurden wir fündig; ich brachte einen Silumin-Zylinderkopf für meinen Peugeot 402, mein Freund gleiche mehrere Zylinderköpfe für Vorkriegs-BMW mit nach Hause. Ausserdem natürlich jede Menge Kleinteile wie Türgriffe, Leuchten und „unnützes" historisches Zubehör wie z.B. Schneeketten aus den 1930er Jahren.